Béke Tanya

 

Intensivpädagogisches Standprojekt in Südwest-Ungarn

 

Beziehung, Kunst und Natur als pädagogische Mittel

 

 

 

Béke Tanya – Pädagogik mit Hand und Herz

 

Béke Tanya ist ein innovatives intensivpädagogisches Standortprojekt in Südwestungarn, etwa sechs Autostunden von München entfernt. Auf dem Hof finden junge Menschen Aufnahme, die sich in einer inneren und äußeren Not befinden. Nach der Aufbauphase mit zwei Plätzen soll dort Platz für bis zu fünf Jugendliche beiderlei Geschlechts entstehen. Sie finden auf Béke Tanya besondere Bedingungen vor, die ihnen Orientierung und Hilfen bieten, die ihnen in ihrem gewohnten Umfeld in dieser Konzentration und Intensität nicht geboten werden können. Sie ermöglichen ihnen eine andere, selbstbestimmte Sicht auf ihre Wirklichkeit und helfen ihnen bei der notwendigen inneren und äußeren Neuorientierung. Es wird dabei mit einem Methodenmix gearbeitet, der den ganzen Menschen in seinem Denken, Fühlen und Wollen anspricht. Das Ziel des Aufenthaltes ist das Verständnis und die Überwindung hinderlicher und oft fremdbestimmter Handlungs-, Denk- und Gefühlsmuster und der schrittweise Aufbau einer selbstschöpferischen Persönlichkeit, die entgegen und trotz der eigenen Biographie das Leben als persönliche Chance ergreifen kann. Der Weg dazu ist die eigene Erfahrung.

Handwerkliche, lebenspraktische Fähigkeiten sowie der Externenhauptschulabschluß können erworben werden (voraussichtlich ab Sommer 2000).

Generell ist eine Vorerprobungsphase von ca. einem Monat vorgesehen. Diese kann wohnortnah oder mobil stattfinden, wenn dies begründet erscheint.

 

 

Die pädagogische Methodik

 

Der Projektaufbau und -ablauf ist bei aller inhaltlichen und formalen Flexibilität von klarer und verbindlicher Struktur im Ablauf dreier einzelner Phasen bestimmt.

 

Phase 1. Der Einstieg

der stationär oder mobil "on tour" durchgeführt werden kann, dient dem Kennenlernen, dem Beziehungsaufbau, der Vertrauensbildung, der Klärung der Motivation, der ersten Zielformulierung und der Vorbereitung auf die Phase 2. Er dauert ca. einen Monat.

Im Hilfeplanverfahren werden in dieser Zeit die Grundlagen und gemeinsamen Bedingungen für die nächsten Schritte unter allen Beteiligten ausgehandelt. Insbesondere soll versucht werden, das soziale Umfeld als Teilnehmer zu gewinnen und, soweit als möglich, aktivierend einzubeziehen.

Der junge Mensch bekommt die Gelegenheit, dem Pädagogen "seine Welt", sein bisheriges soziales Umfeld, vor allem auch den familiären Rahmen, aus seiner Sicht zu vermitteln. Der Betreuer erhält dadurch wertvolle Verständnishilfen und Einblicke in das Wesen des jungen Menschen und in seine Schwierigkeiten.

Dies bildet den Anknüpfungspunkt, um die für den Erfolg der Maßnahme unabdingbare Motivation des Jugendlichen gemeinsam mit diesem zu hinterfragen, zu prüfen und zu stärken. Schrittweise entwirft der junge Mensch auf dieser Grundlage Zielvorstellungen für sich, die die im Hilfeplan genannten Ziele konkretisieren oder durch selbstformulierte Ziele erweitern.

Gleichzeitig dient diese Phase dem Vertrauensaufbau, da der Betreuer dem Jugendlichen als Partner begegnet, der nicht wertend, aber behutsam fordernd Unterstützung und Hilfsbereitschaft in einer für den jungen Menschen schwierigen und verworrenen Situation signalisiert. Dies ist wichtig, da der Schritt zu Phase 2 eine Menge Mut und "sich darauf einlassen" fordert.

Der junge Mensch bewegt sich vorerst noch auf scheinbar sicherem, da bekanntem Boden. Gemeinsame Unternehmungen in der näheren Umgebung geben dem jungen Menschen Gelegenheit, gemeinsame Wege und die Belastbarkeit der neuen Beziehung zu prüfen. Gleichzeitig erhält der Betreuer einen guten Eindruck von der Belastbarkeit, dem Konfliktverhalten und der Konfliktfähigkeit des Jugendlichen. Ängste können sich artikulieren; der Jugendliche erlebt Akzeptanz und erfährt Motivation. Schrittweise wird er an den strukturierten Tagesablauf herangeführt, der ihn auf Béke Tanya erwartet. Künstlerische Übungen unterstützen diese Prozesse, indem sie dem Jugendlichen unmittelbaren Zugang zu seinem Ausdrucksvermögen und zu komplexen, dem sprachlich-gedank-lichen Ausdruck (noch) nicht zugänglichen Bereichen ermöglicht. Er erlebt sich als kreativ und schöpferisch und entdeckt neue Wege der Verständigung. Die künstlerischen Übungen sind so angelegt, daß sie nicht den Rückzug auf Schablonen oder ein klischeehaftes Rollenverständnis unterstützen, sondern ihn zu authentischem Erleben auffordern und zu authentischen Äußerungen hinführen. Dies weckt und stärkt das Bewußtsein bei dem jungen Menschen, "daß da etwas ist", dem es nachzugehen lohnt und ermutigt ihn auf dem weiteren Weg. Den Abschluß bildet das nun gereifte klare Bekenntnis aller Beteiligten, den nächsten Schritt gemeinsam gehen zu wollen.

 

Phase 2. Der Aufenthalt auf Béke Tanya

Die Phase 2 findet in Ungarn auf Béke Tanya statt. Ihre Dauer ist individuell, beträgt aber mindestens einen Monat. Sie baut auf der Erkenntnis auf, daß jeder Mensch Schöpfer seiner eigenen Wirklichkeit ist.

Eine klare Struktur bildet den Rahmen und eine tragfähige Beziehung die Basis für ein intensives Training des jungen Menschen, das in der schrittweisen Ausbildung von Basisqualifikationen mündet, die ihn zu einer selbstbestimmten und sozial verträglichen, eigenständigen Lebensführung befähigen sollen.

Struktur: Das zugrundeliegende Strukturprinzip läßt sich gut mit dem Begriff des "flexiblen Dogmas" bezeichnen und wird zwischen Jugendlichem und Betreuer in Phase 1 ausgehandelt. Diese Struktur soll den Jugendlichen auf seinem Weg zu sich selbst stützen und fördern. Die Anforderungen müssen für ihn "leistbar" sein. Bei der Tages- und Arbeitsgestaltung gibt die Natur weitgehend den Rhythmus und die Inhalte vor.

Der Tag beginnt in der Woche (Mo-Fr) um 6.00 Uhr morgens, von 8.00 bis 12.00 Uhr wird gearbeitet, von 12.00 – 14.00 Uhr ist Mittagspause, von 14.00 – 17.00 Uhr wird in der künstlerischen Werkstatt gearbeitet und um 17.00 Uhr beginnt die Freizeit. Für das Wochenende wird jede Woche neu besprochen, wie es gestaltet werden kann. Die Entscheidung liegt weitgehend beim Jugendlichen selbst. Es kann, aber muß nicht mit gemeinsamen Aktionen gefüllt werden.

Die künstlichen Reize, die im bisherigen Alltag des jungen Menschen prägende Wirkung hatten, werden reduziert. Natürlich gibt es Fernseher bei den Nachbarn und im Dorftreff. Aber es ist kein Fernseher auf Béke Tanya vorgesehen. Statt dessen konzentrieren sich die Eindrücke der inneren und äußeren Natur. Fernsehen und die meisten anderen passiv konsumierten Medien im Gebrauch der Jugendlichen verbauen ihnen in der Regel den Zugang zu dem, wozu sie auf Béke Tanya aktiv ihren Weg finden sollen: zu sich selbst, ihren Gefühlen, Wahrnehmungen und Fähigkeiten.

Das schöpferische Potential des jungen Menschen wird durch künstlerischen Übungen und den damit verbundenen Erfahrungen aufgeschlossen. Das erfordert viel Mut beim jungen Menschen und das darauf Einlassen löst Ängste aus, soll und darf aber gerade darum nicht überfordern.

Der Betreuer muß klar, unterstützend, beispielhaft, einfühlsam und mit Wärme agieren. Es ist ausdrücklich erwünscht, das nähere soziale Umfeld (Familie...) an diesem Prozeß teilhaben zu lassen und es, soweit es geht und es zugelassen wird, mit einzubeziehen. Das soziale Umfeld soll dadurch als Unterstützer gewonnen werden, zumindest aber ein gewisses Verständnis entwickeln. Dies kann durch wechselseitige kürzere Besuche und regelmäßigen Kontakt geschehen. Die Umgebung hat ihren oft gedankenlosen Anteil an der Verfestigung von Verhaltens-, Denk- und Gefühlsmustern beim jungen Menschen und kann daher auch nicht unerheblich zu deren Überwindung beitragen. Der Träger begleitet, kontrolliert und moderiert bei Bedarf.

Beziehung: Jugendlicher und Betreuer sind Partner auf diesem Weg; gemeinsam werden Ziele und Aufgabenstellungen wie schon in Phase 1 definiert und verbindlich festgehalten. Sie überlegen sich gemeinsam die Schritte, die zur Zielerreichung notwendig sind. Der Weg führt dabei vom Einfachen zum Schwierigen. Der Betreuer trägt seinen Teil dazu bei, über die Präsenz der Person die Beziehung voran zu bringen. Schwierigkeiten, Konflikte, Krisen sind dabei Prüfsteine für den Stand der Entwicklung und oft Ausgangspunkt für Schritte "nach vorn". Dem Pädagogen fällt die Aufgabe zu, sein Verhalten und Entscheidungen jederzeit transparent zu machen, damit das Vertrauen in die Partnerschaft sich bestätigen kann und dem jungen Menschen so der Rückhalt erwächst, auch große Schritte wagen zu können. Ziel ist immer die Selbständigkeit des jungen Menschen; aber gerade deshalb muß es ihm auch möglich sein, Kind sein zu dürfen. Durch den Betreuer als unmittelbarer Partner erfährt der junge Mensch Ermutigung, erhält Anerkennung für erbrachte Leistungen und mit ihm feiert er seine Erfolge. Mit ihm geht er aber auch in die Auseinandersetzung, wenn es nötig ist. Er lernt Nähe zuzulassen und Distanz zu wahren. Basis dieser Beziehung und der gemeinsamen Arbeit ist die schriftliche Selbstverpflichtung beider Teile. Es handelt sich dabei um eine partnerschaftliche Verpflichtung, die wichtige und grundlegende Dinge und Voraussetzungen regelt und verbindlich festschreibt. Sie soll die eigene Ernsthaftigkeit untermauern und zeigen, daß man sich gegenseitig als Partner ernst nimmt und achtet. Vor allem aber stellt sie sicher, daß nicht nur Forderungen an den jungen Menschen gestellt werden, sondern daß auch er etwas hat, daß für ihn greifbar, klar und einforderbar ist.

Training: Um die schwierige Suche nach der eigenen Person in dem "Geschrei der Welt" zu unterstützen, sind die künstlichen Reize, die bisher für den jungen Menschen prägend waren, auf Béke Tanya reduziert. An ihre Stelle tritt für die Dauer des Aufenthaltes eine eindrucksvolle, fordernde Natur. Die Umgebung mit Wäldern, Wiesen und Weinbergen ist bevölkert von einer geheimnisvollen Tierwelt. Wildschweine kommen bis an die Gärten, brünftige Hirsche röhren scheinbar direkt hinter dem Haus, Fasanen fliegen auf, wenn man durch die Wiesen streicht...

Der Jugendliche ist aufgefordert, sich seinen Sinnen, Gefühlen und Gedanken zu öffnen; nie gehörte Geräusche klingen an sein Ohr, würzige Gerüche kitzeln seine Nase, unbekannte Geschmäcker reizen seine Zunge. Nachts wölbt sich der sternenübersäte Himmel wie eine Kuppel über seinem Bett, daß er in einer Hängematte unter dem großen Baum bezogen hat, um den die Fledermäuse streichen.

Das intensive Naturerleben bringt eine Konfrontation mit den Ängsten vor der eigenen, unbekannten inneren Natur mit sich. Das erfordert Mut und ist nicht einfach. Die geliehenen, eingeübten szene- und gruppentypischen Gesten und Codes funktionieren in dieser Umgebung nicht. Béke Tanya ist ein Schutzraum, in dem eigene Ängste eingestanden, zugelassen und behutsam Neues probiert werden kann.

In der täglichen Arbeit lernt der Jugendliche die Umgebung erkennen und begreifen. In den Gärten beim Haus und auf dem Weinberg lernt er die Rhythmen der Natur kennen und beachten. Man muß säen, um ernten zu können. Saat- und Erntefolgen müssen eingehalten werden; diese müssen gemeinsam geplant werden. Der Boden und die Bäume müssen gepflegt werden, Holz wird gehackt. Fast alles wird wiederverwendet. Die Natur gibt die Zeiten der Tätigkeit und die der Ruhe weitgehend vor. Das ganze Jahr über werden die Früchte des Waldes - Pilze, Kastanien, Walnüsse, Schlehen, Holunder usw. - und Kräuter gesammelt und zu schmackhaften Produkten verarbeitet. Ständig ist etwas an den Häusern und Schuppen zu tun; hier muß etwas ausgebessert werden, dort soll etwas vergrößert werden, das Bad muß erneuert werden; dabei wird gemauert, verputzt, gestrichen, geschweißt, installiert. Mit jeder Arbeit macht sich der junge Mensch den Ort ein bißchen mehr zu eigen – und seine Fertigkeiten nehmen langsam aber stetig zu. Die Aufgabenstellungen werden so gewählt, daß sie eigenes Erleben fördern. Sie sollen ihn zu selbständigem Denken herausfordern und ihn ermutigen, seine eigenen Ziele zu finden, zu benennen und zu erproben. Er bekommt Zutrauen zu den eigenen, wachsenden Fähigkeiten und seine Belastbarkeit wächst mit. Es erschließen sich ihm bisher ungedachte Möglichkeiten. Mißerfolge und Rückschläge sind dabei notwendige Stufen, sind immer ein Anfang. Defizite, die deutlich werden, werden mit dem Begleiter zusammen konstruktiv angegangen.

Die künstlerischen Übungen unterstützen diese Prozesse auf eine spielerische Weise. Scheinbar zweckfrei und doch höchst wirksam werden mit ihnen die innersten Ressourcen des jungen Menschen aufgeschlossen. Das künstlerische Arbeiten spiegelt genau die notwendigen inneren und äußeren Schritte wieder, die von der Idee bis zum erfolgreichen Abschluß einer Tätigkeit notwendig sind.

(Aus diesem Grund werden künstlerische Übungen auch schon seit langem erfolgreich in der betrieblichen Bildung eingesetzt, wenn es um die Ausbildung der sogenannten Basisqualifikationen geht. )

Die künstlerische Arbeit mit dem jungen Menschen auf Béke Tanya macht sich diesen Umstand der Übertragbarkeit zunutze, um grundlegende berufliche Handlungsmodelle und soziale Kompetenzen auszubilden, die für einen erfolgreichen und selbstbestimmten Lebensweg erforderlich sind.

Dabei wird der junge Mensch in seinem Denken, Fühlen und Wollen angesprochen, gefördert und gefordert. Die Aufgabe des Betreuers ist es, die Aufgaben so zu stellen, das sie eine leistbare Herausforderung darstellen.

Es geht dabei 1.) um die Erprobung und Erfahrung grundlegender Fähigkeiten anhand der Anforderungen verschiedener Materialien. Einfache geführte Übungen führen schrittweise zu komplexeren selbständigeren Übungen.

Der Jugendliche ist 2.) im weiteren Verlauf und mit Zunahme seiner Fähigkeiten aufgerufen, selbst Ziele zu bestimmen und auszuprobieren und daran Zutrauen zu den eigenen Möglichkeiten, mit nicht vorgegebenen Situationen erfolgreich umzugehen, zu gewinnen. Natürlich führt der Weg in der Regel erst einmal über das Scheitern. Er lernt Belastungen auszuhalten und alternative Handlungs- und Lösungsansätze zu probieren, um dann festzustellen, daß manchmal mehrere Anläufe notwendig sind bis zum Erfolg.

Er lernt 3.) mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgrad und Widerstand des Materials sich selbst als Aufgabe gedanklich in die Zukunft zu entwerfen, die Schritte dorthin selbst zu bestimmen und den Erfolg selbst zu kontrollieren und gegebenenfalls Anpassungen vorzunehmen.

Es geht 4.) um einen Weg, den jungen Menschen zu seinen Gefühlen in Beziehung bringen, ihm helfen, sie auszudrücken, zu verarbeiten und an ihnen zu reifen – ein Zugang, der Lebendigkeit und Lebensfreude eröffnet und oft verschüttet ist. Wenn die jungen Menschen wieder spielend lernen, Zutrauen zu ihrer eigenen Natur gewinnen, dann wird alles wieder möglich.

Die Freizeitaktivitäten runden das Tageserleben ab. In der Natur der Umgebung gibt es hierfür zahlreiche Möglichkeiten. Zwei Seen in der unmittelbaren Umgebung laden zum Angeln oder Baden ein, die waldreiche und verkehrsarme Umgebung fordert zu Wanderungen und Fahrradtouren auf, es gibt zahlreiche idyllische Grillplätze, es besteht in der Nähe die Möglichkeit zu reiten und mehr. Einmal die Woche ist im Nachbarort Jugendtreff mit Musik. Auf Béke Tanya selbst kann man Baumhäuser bauen, sich im Bogenschießen mit den alten Bögen der Magyaren üben, Tischtennis, Basketball oder Fußball spielen oder Holz hacken, wenn einem danach ist. Jeweils am Morgen um 6.30 Uhr und am Abend zu einer festgesetzten Stunde werden geführte Übungen angeboten, die einen bewußten Einstieg in den Tag und einen bewußten Ausklang des Tageserlebens ermöglichen. Das Spektrum reicht dabei von Entspannungsübungen über Traumreisen bis zu Yoga. Es orientiert sich an dem Interesse und den Wünschen des jungen Menschen an dem, was für ihn funktioniert und hilfreich ist.

Basisqualifikationen: Der Aufenthalt auf Béke Tanya soll dem jungen Menschen helfen, widersprüchliche innere Welten zu akzeptieren, auszudrücken, zu bearbeiten und zu integrieren. Er lernt hierfür Methoden kennen und selbständig handhaben, die Spaß machen und mit denen er für sich selbst oder mit anderen im Abschluß weiterarbeiten kann.

Es ist notwendig, daß der junge Mensch seinen Zugang zu den eigenen Gedanken und Gefühlen entdeckt, um Fluchttendenzen erkennen, akzeptieren und mit ihnen umzugehen zu können. Er lernt, Ängste und Aggressionen für seinen weiteren Weg als Kraftquellen zu nutzen, statt sich von ihnen beherrschen zu lassen. Es ist Raum vorhanden, um Entwicklungsdefizite erkennen und nachreifen zu lassen.

Der junge Mensch wird ermutigt, seinen eigenen Weg zu entdecken und zu gehen. Er lernt, sich selbst zu motivieren und zu organisieren. Er erfährt sich als ein gleichberechtigtes und eigenständiges schöpferisches Wesen und gewinnt daraus die Kraft, Isolation zu überwinden und soziale Kontakte zu knüpfen und zu vertiefen.

Seine kommunikativen Fähigkeiten erweitern sich über das bisherige hinaus. Er gewinnt einen Zugang zu seinen inneren Welten, lernt diese auszuhalten und kommt innerlich in Bewegung. Er beginnt die Wechselbeziehung zwischen inneren und äußeren Welten zu spüren, zu verstehen und zu handhaben.

Ziel des Aufenthaltes auf Béke Tanya ist, daß der junge Mensch den Mut, die Fähigkeiten und das Zutrauen zu sich selbst gewinnt, sein eigenes selbstbestimmtes Leben zu wählen und zu entdecken.

Er soll die Kraft gewinnen, sich selbst auszuhalten, Achtsamkeit für sich und seine Umwelt empfinden können und seinen gewählten Weg mit Freude, Ausdauer und Zutrauen in die eigene Gestaltungskraft gehen.

Voraussichtlich ab Sommer 2000 wird es möglich sein, in Zusammenarbeit mit dem Projekt Flex – Flexible Schule unterwegs – einen qualifizierten Hauptschulabschluß zu erwerben. Die erfolgreiche Teilnahme am Training auf Béke Tanya und der Erwerb beruflicher Fertigkeiten wird durch ein Zertifikat bescheinigt.

 

Phase 3. Der Transfer / Übergang

In der Phase 3 kann der Jugendliche das Gelernte im alltäglichen Kontext der Umgebung, die im Anschluß die geeignete erscheint, umsetzen.

A) Zurück in die Familie

Mit der Familie werden die Ergebnisse und Auswirkungen besprochen und überlegt, wie der Transfer des gelernten in das alte Umfeld gelingen kann. Was kann die Familie beitragen? Lösungsstrategien für alltägliche Probleme werden gemeinsam erarbeitet. Der Betreuer begleitet und moderiert diesen Prozeß und unterstützt sowohl den Jugendlichen wie die Familie beim Neuanfang. Basis dafür ist gegenseitige Achtung und Vertrauen, welche durch die vorhergehenden Phasen entstanden sein sollten.

  1. Rückkehr in das vorhergehende Betreuungsangebot
  2. Kehrt der Jugendliche in eine nicht-familiäre Form der Betreuung zurück, übernimmt auch hier der Betreuer Transferleistungen. Insbesondere wird das Team mit Übungen vertraut gemacht, die mit dem Jugendlichen gemeinsam erarbeitet wurden und Steuerungshilfen für ihn darstellen. Dem jungen Menschen wird geholfen, sich selbst als der, der er jetzt ist, zu präsentieren und selber darzustellen, was er erlebt hat, was sich geändert hat und wie er oder sie sich jetzt erleben und gesehen werden wollen. Das Betreuungsumfeld wie auch der rückkehrende Jugendliche erhalten am Anfang, in der Mitte und am Ende der Transferphase jeweils in einem besonderen Setting Gelegenheit, Erwartungen, Wünsche und Wahrnehmungen auszutauschen.

  3. Überführung in andere Hilfsangebote

Kommt eine Rückkehr in die Familie oder ein vorhergehendes Hilfsangebot nicht in Frage,

übernimmt der Betreuer die Überführung in ein geeignetes Hilfsangebot, das gemeinsam mit allen Beteiligten im Hilfeplan erarbeitet wurde.

Diese Unterstützungen und Transferleistungen werden für einen individuell zu vereinbarenden Zeitraum seitens des bisherigen Betreuers am neuen Wohn- und Lebensort angeboten.

Der Jugendliche ist nach erfolgreichem Abschluß des Trainings jederzeit nach Absprache auf Béke Tanya zu einem Besuch willkommen; es gibt Platz zum Zelten. Er kann auch gerne Freunde mitbringen. Er kann Erfolge feiern mit Menschen, die wissen, daß sie hart erkämpft sind. Er hat Gelegenheit, sich selbst zu überprüfen. Er findet auch immer ein offenes Ohr. Vielleicht ist ihm Béke Tanya auch ein Stück Heimat geworden, wo die "alten Hasen" den jungen etwas von vergangenen Zeiten erzählen. Vielleicht gibt es etwas, das er hier noch runden will, etwas, das noch getan, gesagt oder gebaut werden muß. Jeder der jungen Menschen baut etwas mit von diesem Ort, etwas von ihm wird zum Teil von Béke Tanya und etwas von Béke Tanya wird zum Teil von ihm.

Es soll kein Beziehungsabbruch sein mit Ende des Trainings, sondern eine Beziehungswandlung – eine gereifte Beziehung unter gleichberechtigten Partnern.

 

 

Das soziale Umfeld

 

Das Projekt will sich in die politische und soziale Landschaft vor Ort integrieren. Béke Tanya ist auf lange Dauer angelegt und wird vom Bürgermeister des Ortes und dem Bürgermeister des Kreises unterstützt. Es konnten ungarische Einrichtungen der Jugendhilfe im näheren Umfeld für dieses Projekt interessiert werden. Von dieser Seite wurde tatkräftige Unterstützung zugesagt. Die Bewohner des Dorfes leben neben ihrem Beruf, weitgehend als Selbstversorger, halten Hühner, ein oder zwei Schweine und betreiben etwas Ackerbau. Die Struktur der Bevölkerung ist in der Alters- und Einkommensstruktur gut gemischt. Es gibt ein großes Gemeindehaus mit Einrichtungen für Jugendliche (Billard, Kicker) und einfache, aber regelmäßige, mehrmals täglich verkehrende Busanbindungen an die nächst größeren Orte und Städte.

Die Infrastruktur ist wäldlich-ländlich, von Hügeln mit Weinbergen durchzogen. In der Kreisgemeinde Bazakerettye wird Öl gefördert. In den nächsten Jahren soll dort ein Thermalbad entstehen.

Die nächsten größeren Orte sind Letenye (15 km) und Lenti (25 km). Die nächsten Städte sind Nagykanisza (30 km) und Zalaegerszeg (50 km); zu beiden gibt es tägliche Busverbindungen. Ausgeprägte Hilfsbereitschaft und Offenheit kennzeichnen das Gemeinschaftsleben auf dem Lande. Die Einheimischen sind Fremden gegenüber sehr aufgeschlossen.

 

 

Die Partner

 

Béke Tanya wird in der Aufbauphase von dem Diplom-Kunstpädagogen und Kunsttherapeuten Peer Wüschner geführt. Peer Wüschner hat langjährige Erfahrungen in der Arbeit mit jungen Menschen im Alter von 15 – 20 Jahren, davon mehrere Jahre erfolgreich in der intensivpädagogischen Einzelbe-treuung mit Projektcharakter. Aus diesen Erfahrungen heraus entstand das Konzept von Béke Tanya.

Unterstützt in Natur und Garten wird er derzeit von seiner Ehefrau Désirée.

Im Sinne der Anbindung an das soziale Umfeld konnte Ildigo Miko, eine Heilpädagogin, die gut Deutsch spricht, zur tageweisen Mitarbeit insbesondere zur Aufarbeitung schulischer Defizite gewonnen werden. Ein Handwerker (N:N:) mit pädagogischer Eignung soll die Erprobung und den Erwerb handwerklicher Fähigkeiten ermöglichen.

 

 

Das Angebot

 

  1. Kriseninterventionen und Ferienaufenthalte
  2. Wir bieten Kriseninterventionen und Ferienaufenthalte von mindestens vier Wochen Dauer an.

    In diesem Zeitraum wird die Krisenbearbeitung und/oder die ergänzende Bearbeitung bisher pädagogikresistenter Themen mit der kunstpädagogisch-therapeutischen Methodik angeboten.

     

  3. Diagnostische Klärung mit Erprobung und Trainingsanteilen
  4. Die diagnostische Klärung mit Erprobung und Training des individuellen Fähigkeits- und Handlungsspektrums des jungen Menschen und der Umsetzung und Begleitung in konkrete weiterführende Maßnahmen ist in der Regel auf mindestens drei Monate plus Nachbetreuung angelegt und wird in Zusammenarbeit mit dem Träger individuell auf den jungen Menschen zugeschnitten.

    Der allgemeine Rahmen sieht einen Monat des Kennenlernens vor, in dem man sich an die Aufgabenstellungen heranarbeitet. Hier kann Vertrauen als Voraussetzung des gemeinsamen Vorhabens entstehen, und es wird der Umgang mit Krisen geübt. Der Monat des Kennenlernens wird in der Regel in einer Projektwohnung nah am bisherigen sozialen Umfeld stattfinden. Der Weg nach Béke Tanya kann aber auch von Deutschland aus z.B. per Fahrrad entlang der Donau oder der Drau nach Ungarn führen.

    Dies schafft die Voraussetzungen für einen Monat intensiver Arbeit vor Ort in Ungarn, an den sich ein Monat des Übergangs mit anschließender Nachbetreuung am neuen Wohn- und Lebensort anschließt.

    Die einzelnen Projektphasen werden mit dem jungen Menschen und dem Träger individuell abgestimmt, ausführlich dokumentiert und diesem jeweils nach Abschluß einer Phase zugeleitet. Diese Schnittstellen dienen auch zur Überprüfung des Projektfahrplanes und gegebenenfalls seiner Anpassung.

     

  5. Intensivtrainings
  6. In Fällen, in denen eine erfolgreiche Beschulung im Regelschulsystem und/oder der Erwerb qualifizierter beruflicher Kenntnisse nicht möglich erscheinen, bietet Béke Tanya die Möglichkeit, den externen Hauptschulabschluß in Zusammenarbeit mit der FLEX-Fernschule zu erwerben. Darüber hinaus können lebenspraktische Fähigkeiten (Haushalt, Handwerk, Gartenbau) erworben werden. Die kunstpädagogisch-therapeutische Methodik fördert die Ausbildung von Basisqualifikationen und die Entwicklung vorhandener persönlicher Anlagen. Sie kann helfen, verborgene zur Entfaltung zu bringen. Die Grenzen liegen hierbei in dem Potential des jungen Menschen und seiner wachsenden Bereitschaft, an diesem zu arbeiten. Die Dauer orientiert sich an den angestrebten Zielen.

     

  7. Längerfristige Betreuung

Es ist auch die Möglichkeit eines längerfristigen Aufenthaltes auf Béke Tanya gegeben, wenn dies von den Beteiligten als sinnvolle und fruchtbare Perspektive gesehen wird.

 

Die Angebote werden jeweils in Zusammenarbeit mit allen Beteiligten, sowohl was die Dauer wie auch die Inhalte angeht, individuell auf die jeweiligen Erfordernisse und Ziele zugeschnitten.

Oberster Grundsatz ist dabei größtmögliche Flexibilität, die sich an den Problemen und Fähigkeiten der jungen Menschen und den damit verbundenen Aufgabenstellungen orientiert.

Oberstes Ziel ist es, die jungen Menschen aus sich selbst heraus zu einer selbstbestimmten und selbstgesteuerten und sozial verträglichen Lebensführung zu befähigen.

 

 

 

Die Kosten

 

Pro Tag und Jugendlichen in der Betreuung wird ein Honorar vereinbart, zuzüglich Unterkunft, Verpflegung, Bekleidung und Sonderausgaben wie Fahrtkosten. Für die Nebenkosten wird ein fester monatlicher oder vierteljährlicher Rahmen festgelegt.

Verträge laufen über mindestens dreißig Tage.

 

Siehe Anlage Kostenplan

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Vision

 

Mittelfristig soll Béke Tanya auf fünf junge Menschen und drei pädagogische Betreuer mit unterschiedlichen Basisqualifikationen (Kunsttherapeut/Pädagoge, Jugendpsychiater/Pädagoge, Sozialpädagoge/Handwerker) wachsen. Die Idee ist, innovative, lebensnahe und fachübergreifende Betreuungsteams zu erproben, die einer Ausgrenzung und Verschiebung der jungen Menschen entgegenwirken und in der Methodik auch schon im Alltagsleben dort ansetzen können, wo der Zugriff auf die Probleme am unmittelbarsten möglich scheint. Ich rede damit nicht einer Therapiesierung der Pädagogik das Wort, sondern trage einfach dem Faktum Rechnung, daß insbesondere in der Intensivpädagogik nach meiner Erfahrung sehr häufig eine Mischung und/oder Häufung von Problemen unterschiedlicher Genese vorhanden ist.

Die Hilfsangebote und die Betreuer als pädagogisches Team sollten daher meiner Auffassung nach auch verstärkt die Möglichkeit besitzen, den Jugendlichen als Ganzes mit seiner geballten Problematik und Persönlichkeit wahrnehmen, aushalten, aufnehmen und annehmen zu können.

Die Ziele auf Béke Tanya sind dabei immer pädagogische, jede fachliche Sicht hat sich dieser Sicht unterzuordnen.

 

 

 

 

Die Referenzen

 

Herzogsägmühle

Fachbereich Jugendhilfe Intensivpädagogische Maßnahmen

Leitung: Winfried Knorr Frank Schmidt / Dieter Pramps-Kastenhuber

Tel: 0049 / 8861 / 219 281 Tel: 0049 / 8861 / 219 103

Von Kahl Straße 4

86971 Peiting – Herzogsägmühle

 

Jugenddorf Christophorusschule

Obersalzberg

OstD Stefan Gauer

Hans Wolf von Schleinitz

Tel: 08652 / 604-0

Am Dürreck

83471 Schönau am Königsee

 

 

Der Kontakt

 

Peer & Désirée Wüschner

Béke Tanya

Béke ut 1

H - 8888 Lispeszentadorján

Ungarn

 

Für Ihre Fragen und Wünsche stehen wir unter der Nummer 0036 – 93 – 365 075 von 8.00 bis 20.00 Uhr telefonisch und per Fax zur Verfügung. Bitte hinterlassen Sie eine Nachricht auf dem Anrufbeantworter, wenn wir uns nicht persönlich melden, wir arbeiten tagsüber oft im Garten.

Ihre Anfrage erreicht uns auch als e-mail unter der Adresse hexe@sienet.hu .