{\rtf1\ansi\deff0 {\fonttbl{\f0\froman\fprq2 times;}{\f1\froman\fprq2\fcharset0 Times New Roman;}{\f2\froman\fprq2\fcharset0 Bookman Old Style;}{\f3\fnil\fprq2\fcharset2 starbats;}{\f4\froman\fprq0\fcharset2 Symbol;}} {\colortbl\red0\green0\blue0;\red255\green255\blue255;\red128\green128\blue128;} {\stylesheet{\s1\f1\fs20\snext1 Standard;} {\s2\f1\fs20{\*\tlswg8238}\tqc\tx4536{\*\tlswg8238}\tqr\tx9072\sbasedon1\snext2 Kopfzeile;} {\s3\f1\fs20{\*\tlswg8238}\tqc\tx4536{\*\tlswg8238}\tqr\tx9072\sbasedon1\snext3 Fu\'dfzeile;} {\s4\f1\fs20\sbasedon1\snext4 Fu\'dfnote;} {\s5\f1\fs20\sbasedon1\snext5 WW-Endnotentext;} {\s6\sa120\f1\fs20\sbasedon1\snext6 Textk\'f6rper;} {\s7\sa120\f1\fs20\sbasedon6\snext7 Rahmeninhalt;} {\*\cs9 WW-Absatz-Standardschriftart;} {\*\cs10{\*\updnprop5801}\up0\sbasedon9 Fu\'dfnotenzeichen;} {\*\cs11\sbasedon9 Seitenzahl;} {\*\cs12{\*\updnprop5801}\up0\sbasedon9 WW-Endnotenzeichen;} {\*\cs13\f3\fs18 Aufz\'e4hlungszeichen;} {\*\cs14 Zeilennumerierung;} }{\*\listtable{\list\listtemplateid1 {\listlevel\levelnfc23\leveljc0\levelstartat1\levelfollow2{\leveltext \'01\'b7;}{\levelnumbers;}\f4\fi-283\li283}\listid1} }{\listoverridetable{\listoverride\listid1\listoverridecount0\ls0}} {\info{\title qqqqqq}{\author Ingo Swieter}{\creatim\yr1999\mo10\dy2\hr11\min47}{\operator Ingo Swieter}{\revtim\yr1999\mo10\dy2\hr11\min47}{\printim\yr1601\mo1\dy1\hr0\min0}{\comment StarWriter}{\vern5050}}\deftab708{\*\pgdsctbl{\pgdsc0\pgdscuse195\pgwsxn11905\pghsxn16837\margrsxn1418\margtsxn709\margbsxn1134\pgdscnxt0 Standard;}} \paperh16837\paperw11905\margl1418\margr1418\margt709\margb1134\pgwsxn11905\pghsxn16837\margrsxn1418\margtsxn709\margbsxn1134\ftnbj\ftnstart1\ftnrstcont\ftnnar\aenddoc\aftnrstcont\aftnstart1\aftnnrlc \pard\plain \s1\f1\fs20 \par \par \par \par \par \par \par \par \par \par \par \par \pard\plain \s1\f1\fs20\f2\fs65\b\qc ZUR \par \par PR\'c4NATALEN DIAGNOSTIK \par \pard\plain \s1\f1\fs20\f2\fs64\b\qc \par \pard\plain \s1\f1\fs20\f2\fs44\qc -Referat- \par \pard\plain \s1\f1\fs20\f2\fs52\qc \par \par \par \par \par \pard\plain \s1\f1\fs20\page\f2\fs52\ul\qc{\*\tlswg8238}\tx1134{\*\tlswg8238}\tx6804 Inhalt \par \pard\plain \s1\f1\fs20\f2\fs24{\*\tlswg8238}\tx1134{\*\tlswg8238}\tx6804 \par \par \par \pard\plain \s1\f1\fs20\f2\fs28\b{\*\tlswg8238}\tx284{\*\tlswg8238}\tx1134{\*\tlswg8238}\tx6804 \tab \tab Einleitung\tab \par \par \pard\plain \s1\f1\fs20\li567\ri0\fi0\f2\fs28{\*\tlswg8238}\tx1134{\*\tlswg8238}\tx6804 \par \pard\plain \s1\f1\fs20\f2\fs28\b{\*\tlswg8238}\tx1134{\*\tlswg8238}\tx6804 1. \tab Pr\'e4natale Diagnostik\tab \par \pard\plain \s1\f1\fs20\li0\ri0\fi1\f2\fs28\b{\*\tlswg8238}\tx1134{\*\tlswg8238}\tx6804 \par \pard\plain \s1\f1\fs20\f2\fs28\b{\*\tlswg8238}\tx1134{\*\tlswg8238}\tx6804 1.1. \tab Pr\'e4natale Diagnostik \tab \par \tab - zugunsten des F\'f6ten? \par \pard\plain \s1\f1\fs20\li0\ri0\fi1\f2\fs28\b{\*\tlswg8238}\tx1134{\*\tlswg8238}\tx6804 \par \pard\plain \s1\f1\fs20\f2\fs28\b{\*\tlswg8238}\tx1134{\*\tlswg8238}\tx6804 1.2. \tab Pr\'e4natale Diagnostik \tab \par \tab - zugunsten der Eltern? \par \pard\plain \s1\f1\fs20\li0\ri0\fi1\f2\fs28\b{\*\tlswg8238}\tx1134{\*\tlswg8238}\tx6804 \par \par \pard\plain \s1\f1\fs20\f2\fs28\b{\*\tlswg8238}\tx1134{\*\tlswg8238}\tx6804 2. \tab Zur Sozialen Frage\tab \par \par 2.1. \tab Eugenik als Antwort\tab \par \par 2.2. \tab Kosten im Gesundheitswesen\tab \par \pard\plain \s1\f1\fs20\li0\ri0\fi1\f2\fs28\b{\*\tlswg8238}\tx1134{\*\tlswg8238}\tx6804 \par \par \pard\plain \s1\f1\fs20\f2\fs28\b{\*\tlswg8238}\tx1134{\*\tlswg8238}\tx6804 3. \tab Zur Bioethik\tab \par \par \pard\plain \s1\f1\fs20\li0\ri0\fi1\f2\fs28\b{\*\tlswg8238}\tx1134{\*\tlswg8238}\tx6804 \par 4. \tab Lebenswert = Leistung und Nutzen\tab \par \par \pard\plain \s1\f1\fs20\li0\ri0\fi1\f2\fs28\b{\*\tlswg8238}\tx284{\*\tlswg8238}\tx1134{\*\tlswg8238}\tx6804 \par \tab \tab Schlu\'df\tab \par \pard\plain \s1\f1\fs20\li0\ri0\fi1\f2\fs28\b{\*\tlswg8238}\tx1134{\*\tlswg8238}\tx6804 \par \pard\plain \s1\f1\fs20\page\f2\fs24 Einleitung \par \pard\plain \s1\f1\fs20\f2\fs24 \par \pard\plain \s1\f1\fs20\f2\fs24\sl360\qj Die Pr\'e4nataldiagnostik ist eine recht junge Disziplin der Medizin. Durch neue technische und medizinische M\'f6glichkeiten ist man mittlerweile soweit, viele Sch\'e4digungen des F\'f6ten schon vorgeburtlich entdecken zu k\'f6nnen. Bei diesen Sch\'e4digungen handelt es si ch zumeist um irreversible, nicht heilbare Mi\'dfbildungen oder Gendefekte. Nach Feststellung einer Behinderung des F\'f6ten wird dieser in den meisten F\'e4llen abgetrieben. In dieser Arbeit m\'f6chte ich der Frage nachgehen, worin der Grund f\'fcr Pr\'e4nataldiagnostik li egt, wozu sie da ist und wem sie eigentlich n\'fctzt. \par Dabei fange ich damit an, zu untersuchen, ob und wenn wie, sie dem werdenen Leben dient. Pr\'e4natale Diagnostik soll dem entstehendem Menschen Leid ersparen. Ist das so? Und ist das der Grund f\'fcr pr\'e4natale Diagnostik? \par Danach m\'f6chte ich untersuchen, inwieweit die Interessen der Eltern ausschlaggebend f\'fcr die Pr\'e4nataldiagnostik sind. Liegt in der Hilfe f\'fcr die Eltern das Ziel pr\'e4nataler Diagnostik? \par Oder handelt es sich hierbei um einen weiteren L\'f6sungsansatz der \'84Sozialen Frage\ldblquote ? Hierzu werde ich unter Punkt 2 auf die \'84soziale Frage\ldblquote eingehen und die Eugenik von ihrer Entstehung bis heute kurz umreissen. Weiter werde ich auf das vieldiskutierte Thema der Kosten und der Kostensenkung im Gesundheits- und Sozialwesen eingehen. Kostenargumente spielen n\'e4mlich auch in den Diskussionen um Pr\'e4nataldiagnostik eine verst\'e4rkte Rolle. \par Unter Punkt 3 wende ich mich der Bioethik zu. \par Im letztem Punkt meiner Arbeit werde ich \'fcberpr\'fcfen, wie der vieldiskutierte Lebenswert bzw. -unwert, der einen Schwerpunkt in der Diskussion um Pr\'e4nataldiagnostik einnimmt, \'fcberhaupt bemessen wird und warum. \par \pard\plain \s1\f1\fs20\f2\fs24\qj \par \par \pard\plain \s1\f1\fs20\page\f2\fs24\qj 1. Pr\'e4natale Diagnostik \par \pard\plain \s1\f1\fs20\fs24\qj \par \pard\plain \s1\f1\fs20\f2\fs24\sl360\qj Die pr\'e4natale Diagnostik bezeichnet die Methode zur Erkennung von Mi\'dfbildungen beim F\'f6tus. Es wird nach k\'f6rperlichen Mi\'dfbildungen, Abweichung in der Chromosomenzahl und Gendefekten gesucht. Hierbei wird zwischen invasiven und nicht-invasiven Methoden unter schieden. \par Die nicht-invasiven Methoden finden au\'dferhalb des Mutterleibes statt. Beispiel hierf\'fcr ist die Ultraschall-Feindiagnostik, bei der der K\'f6rper des F\'f6tus innerlich und \'e4u\'dferlich auf Anomalien untersucht wird oder der Triple-Test, bei dem Hormone aus dem m\'fctt erlichen Blut ausgewertet werden. \par Genauere Ergebnisse erzielt man mit der invasiven Pr\'e4nataldiagnostik. Diese Methoden erm\'f6glichen genetische Tests. Hierbei benutzt man Zellen, die genetisch mit dem F\'f6tus identisch sind. Sie werden aus dem Bauchraum der Mutter entnommen. Die am h\'e4ufigsten angewendeten invasiven Methoden sind die Amniozentese und die Chorionbiopsie. Die Amniozentese bezeichnet die Fruchtwasserpunktion, also die Entnahme von Fruchtwasser. Bei der Chorionbiopsie wird Gewebe aus der Plazenta entnommen. \par \par 1.1. Pr\'e4nataldiagnostik - zugunsten des F\'f6ten? \par \par \pard\plain \s1\f1\fs20\sl360\qj{\fs24\f2 Die Pr\'e4natale Diagnose bezeichnet also Methoden zur Entdeckung von Sch\'e4digungen des F\'f6ten. Hierbei wird jedoch nicht allein nach therapierbaren Krankheiten gesucht, sondern verst\'e4rkt nach unheilbaren Mi\'dfbildungen und Gendefekten. In diesen F\'e4llen ergibt si ch als einzige medizinische L\'f6sung des \'84Problems\ldblquote die Abtreibung, also die T\'f6tung des gesch\'e4digten F\'f6ten. \'84So ist das einzige Angebot, das bei Feststellung einer vorgeburtlichen Sch\'e4digung gemacht werden kann, der `therapeutische Abort`, den die Mehrheit der Schwangeren nach festgestellter `Abweichung` des Ungeborenen durchf\'fchren l\'e4\'dft.\ldblquote }{\super \chftn{\*\footnote \chftn\pard\plain \s4\f1\fs20{\*\cs10{\*\updnprop5801}\up8}{\f2 Swantje K\'f6bsell: Mogelpackung - die `Bioethik-Konvention` des Europarates und ihre Bedeutung f\'fcr Menschen mit Behinderungen. in: BEHINDERTENP\'c4DAGOGIK, Heft 1/1999, Seite 92 }}} {\*\cs10{\*\updnprop5801}\up8\fs24\f2 } \par {\fs24\f2 Die Pr\'e4natale Diagnostik ist somit eine besondere Form der Pr\'e4ventivmedizin und kann insbesondere f\'fcr den F\'f6ten, der get\'f6tet wird, nicht als Therapie angesehen werden. \'84Krankheiten werden in der pr\'e4natalen Diagnostik [...] nicht in erster Linie aufgesucht , um sie zu therapieren, sondern um den Tr\'e4ger dieser Krankheiten [...] zu vernichten.\ldblquote }{\super \chftn{\*\footnote \chftn\pard\plain \s4\f1\fs20{\*\cs10{\*\updnprop5801}\up8}{\f2 Ulrich Eibach: Experimentierfeld: Werdendes Leben. Eine ethische Orientierung. G\'f6ttingen, 1983, Seite 94} }} {\*\cs10{\*\updnprop5801}\up8\fs24\f2 }{\fs24\f2 } \par {\fs24\f2 Also kann es in der Pr\'e4nataldiagnostik gar nicht darum gehen, dem werdenden Leben zu helfen. Und es geht auch tats\'e4chlich nicht um das Leben, welches das Kind einmal f\'fchren wird oder w\'fcrde. Denn bei dem Schwangerschaftsabbruch mit medizinischer Indikation kann nicht die zu erwartende Sch\'e4digung des Kindes selbst, sondern nur eine f\'fcr die Mutter unzumutbare k\'f6rperliche oder seelische Beeintr\'e4chtigung zu einer Indikationsstellung f\'fchren.}{\super \chftn{\*\footnote \chftn\pard\plain \s4\f1\fs20{\*\cs10{\*\updnprop5801}\up8}{\f2 vgl}.{\f2 Nieders\'e4chsisches Frauenministerium: Ratgeber: Schwangerschaftsabbruch - was Sie wissen m\'fcssen! Hannover, Dezember 1997, Seite 6}}} {\*\cs10{\*\updnprop5801}\up8\fs24\f2 }{\fs24\f2 } \par {\fs24\f2 Ganz kra\'df dr\'fcckt Peter Singer es in dem Buch Praktische Ethik aus, da\'df es sich bei dem vieldiskutierten und umstrittenen {\i Lebenswert} wirklich nicht um den m\'f6glicherweise sp\'e4ter einmal subjektiv empfundenen des werdenden Menschen handeln kann. So schreibt Si nger \'fcber Pr\'e4nataldiagnostik mit nachfolgendem Schwangerschaftsabbruch: \'84Es bleibt allerdings festzuhalten, da\'df weder H\'e4mophilie noch Down-Syndrom das Leben so beeintr\'e4chtigen, da\'df es sich aus der Innenperspektive der Person, die es f\'fchrt, nicht mehr zu le ben lohnte.\ldblquote }{\super \chftn{\*\footnote \chftn\pard\plain \s4\f1\fs20{\*\cs10{\*\updnprop5801}\up8}{\f2} {\f2 Peter Singer: Praktische Ethik. Neuausgabe. Stuttgart, 1994, Seite 240 }}} {\*\cs10{\*\updnprop5801}\up8\fs24\f2 }{\fs24\f2 Dennoch ist zumindest das Down-Syndrom ein pr\'e4destinierter Fall f\'fcr die Abtreibung nach pr\'e4nataler Diagnose.} \par {\fs24\f2 Und die Genetiker und Embryologen forschen und entwickeln unabl\'e4ssig weiter, um immer mehr Erbleiden und Gendefekte diagnostizieren zu k\'f6nnen. Wissenschaftsenthusiasten erhoffen sich, bald alle erdenklichen Erbmerkmale mit der Gen-Diagnostik identifizieren zu k\'f6nnen.}{\super \chftn{\*\footnote \chftn\pard\plain \s4\f1\fs20{\*\cs10{\*\updnprop5801}\up8}{\f2 vgl. Steven Dickman: Embryonen-Selektion. Menschen nach Ma\'df? in: GEO, Nr. 11/1996, Seite 52}}} {\*\cs10{\*\updnprop5801}\up8\fs24\f2 }{\fs24\f2 } \par \pard\plain \s1\f1\fs20\f2\fs24\sl360\qj \par 1.2. Zugunsten der Eltern? \par \par Die Nachricht, da\'df das Kind eine Behinderung haben wird, l\'f6st bei den Eltern wohl in den meisten F\'e4llen \'c4ngste aus. Die wenigsten haben wahrscheinlich vorher schon mal Kontakt mit Menschen mit Behinderungen gehabt. Das ist auch nicht sonderlich verwunderli ch, in einer Gesellschaft, in der es eine Integration fast nicht gibt. \par Zudem erhoffen sich Eltern das beste f\'fcr ihr Kind, da\'df es im Leben zurecht kommt usw. Sie m\'f6chten, da\'df ihr Kind den Anforderungen, die ihm gestellt werden gen\'fcgen kann und wird. Somit ist es auch nur verst\'e4ndlich, da\'df Eltern Angst bekommen, wenn sie erfahr en, da\'df ihr Kind vielleicht niemals diesen Anspr\'fcchen gerecht werden kann. \par \pard\plain \s1\f1\fs20\sl360\qj{\fs24\f2 So hie\'df es beispielsweise noch bis Februar 1998 in Artikel 125 der Bayerischen Verfassung: \'84Gesunde Kinder sind das k\'f6stlichste Gut eines Volkes.\ldblquote }{\super \chftn{\*\footnote \chftn\pard\plain \s4\f1\fs20{\*\cs10{\*\updnprop5801}\up8}{\f2 vgl. Keyvan Dahesch: B\'fcrgerrechte statt Almosen. Allen Sonntagsreden zum Trotz: Behinderte Menschen werden in Deutschland gesellschaftlich ausgegrenzt. in: DIE ZEIT Nr. 32, 5. August 1999, Seite 8}}} {\*\cs10{\*\updnprop5801}\up8\fs24\f2 }{\fs24\f2 Wen wundert es da noch, da\'df sich bei den Eltern, wenn sie von der Behinderung ihres Nachwuchs erfahren Gef\'fch le wie Angst, Trauer und Schmerz einstellen.} \par \pard\plain \s1\f1\fs20\f2\fs24\sl360\qj Ein weiteres Problem ist, da\'df sich Familien und insbesondere Alleinerziehende mit einem behindertem Kind gro\'dfen Belastungen ausgesetzt sehen. Und mit dieser Beurteilung liegen sie auch nicht falsch. \par Die Frage, die sich mir hierbei auftut ist jedoch die, ob es nicht ein Fehler ist, die Probleme beim werdenen behinderten Leben zu suchen. Die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Umst\'e4nde werden nicht kritisiert, nicht einmal hinterfragt. \par Da\'df das Kind den Leistungsanspr\'fcchen nicht entsprechen wird, ist der elterliche Grund zur Abtreibung nach pr\'e4nataler Diagnose. Mit der Akzeptanz dieses aus der Wirtschaftsweise herr\'fchrenden Anspruchsdenken, willigen die Eltern jedoch unbewu\'dft ein und ordne n sich selber auch dem gew\'fcnschten Funktionieren unter. \par Somit sind die M\'f6glichkeiten, die die pr\'e4natale Diagnose bietet, zwar durchaus auf der einen Seite zugunsten der Eltern, auf der anderen Seite jedoch genau gegen sie. \par Und es ist eine Illusion zu glauben, Eltern k\'f6nnten sich bei der Entscheidung \'fcber Leben und Tod ihres Kindes frei entscheiden. Das Wissen um die schlechten Zukunftsaussichten des Kindes in diesem System, das Wissen der Beeintr\'e4chtigungen (z.B. finanzielle ) f\'fcr die Familie, das Wissen der geringen Akzeptanz der Gesellschaft gegen\'fcber dem behinderten Leben, all das ist mehr als direktiv. \par \pard\plain \s1\f1\fs20\sl360\qj{\fs24\f2 \'84Wer bef\'fcrchten mu\'df, mit einem behinderten Kind allein gelassen zu werden, ohne Chance auf die erforderliche Unterst\'fctzung, daf\'fcr aber mit der Gewi\'dfheit, der Gesellschaft zur Last zu fallen, wird sich nach pr\'e4nataler Diagnostik und humangenetischer Beratun g eher in die bev\'f6lkerungspolitische Pflicht nehmen lassen und sich gegen ein Kind entscheiden, das den Normen der industriellen Leistungsgesellschaft nicht gen\'fcgt.\ldblquote }{\super \chftn{\*\footnote \chftn\pard\plain \s4\f1\fs20{\*\cs10{\*\updnprop5801}\up8}{\f2 Oliver Tolmein: Wann ist der Mensch ein Mensch? Ethik auf Abwegen. M\'fcnchen, Wien 1993, Seite 8 }}} {\*\cs10{\*\updnprop5801}\up8\fs24\f2 } \par \pard\plain \s1\f1\fs20\f2\fs24\sl360\qj \par \par \par \pard\plain \s1\f1\fs20\page\f2\fs24\sl360\qj 2. Zur Sozialen Frage \par \pard\plain \s1\f1\fs20\f2\fs24\sl360\qj \par Die Pr\'e4natale Diagnostik kann also nicht zugunsten des F\'f6ten und auch nicht wirklich zugunsten der Eltern unternommen werden. Ist die Pr\'e4nataldiagnostik ein weiterer Versuch einer Antwort auf die \'84Soziale Frage\ldblquote ? \par \pard\plain \s1\f1\fs20\sl360\qj{\fs24\f2 Ich beziehe mich auf die Definition der \'84Sozialen Frage\ldblquote von Klaus D\'f6rner: \'84Was machen wir B\'fcrger mit denen, [...] deren Leistungswert sie industriell unbrauchbar macht?\ldblquote }{\super \chftn{\*\footnote \chftn\pard\plain \s4\f1\fs20{\*\cs10{\*\updnprop5801}\up8}{\f2 Klaus D\'f6rner: T\'f6dliches Mitleid. Zur Frage der Unertr\'e4glichkeit des Lebens. G\'fctersloh, 1988, Seite 8}}} {\*\cs10{\*\updnprop5801}\up8\fs24\f2 }{\fs24\f2 } \par \pard\plain \s1\f1\fs20\f2\fs24\sl360\qj Denn genau um solche Menschen geht es ja in der Pr\'e4nataldiagnostik. \par \pard\plain \s1\f1\fs20\sl360\qj{\fs24\f2 Die \'84Soziale Frage\ldblquote entstand erst richtig durch die Industrialisierung, \'84ein Teil der Bev\'f6lkerung war grunds\'e4tzlich `fragw\'fcrdig` geworden.\ldblquote }{\super \chftn{\*\footnote \chftn\pard\plain \s4\f1\fs20{\*\cs10{\*\updnprop5801}\up8}{\f2 ebd, Seite 21}}} {\*\cs10{\*\updnprop5801}\up8\fs24\f2 }{\fs24\f2 } \par {\fs24\f2 Zu dieser Zeit fand eine Umstellung auf die kapitalistische Produktions- und Wirtschaftsweise statt. Diese erforderte freie Arbeiter, \'fcber die sie verf\'fcgen konnte. Die Arbeiter mu\'dften f\'fcr die Industriearbeit nach ganz neuen Kriterien geeignet sein. Als \'84br auchbar\ldblquote galt nun \'84zunehmend die F\'e4higkeit zur Anpassung an einen vielf\'e4ltigen Normendruck\ldblquote .}{\super \chftn{\*\footnote \chftn\pard\plain \s4\f1\fs20{\*\cs10{\*\updnprop5801}\up8} {\f2 ebd, Seite 21}}} {\*\cs10{\*\updnprop5801}\up8\fs24\f2 }{\fs24\f2 Hierunter sind beispielsweise F\'e4higkeiten wie P\'fcnktlichkeit, Leistungsgleichm\'e4\'dfigkeit, Unterdr\'fcckung pers\'f6nlicher Besonderheiten, Kalkulierbarkeit und die Bereits chaft zum reibungslosen, monotonen Funktionieren zu verstehen. Menschen die den Kriterien dieser Wirtschaftsweise gen\'fcgen konnten, wurden somit zu Lohnarbeitern in den Fabriken und bildeten das Proletariat. F\'fcr die anderen wurden, je nach \'84Unbrauchbarkeit\ldblquote , Spezialeinrichtungen geschaffen. So wurden systematisch Altersheime, Pflegeheime, Waisenh\'e4user, Kinderg\'e4rten, Idiotenanstalten, Arbeitsh\'e4user, Gef\'e4ngnisse und Irrenanstalten errichtet.}{\super \chftn{\*\footnote \chftn\pard\plain \s4\f1\fs20{\*\cs10{\*\updnprop5801}\up8} {\f2 ebd, Seite 22f}}} {\*\cs10{\*\updnprop5801}\up8\fs24\f2 } \par {\fs24\f2 Durch diese Einrichtungen konnten nun auch Familien von zu pflegenden Mitgliedern \'84befreit\ldblquote werden, die ja nun, zumindest aus wirtschaftlicher Sicht unn\'fctze Ballastexistenzen darstellten. Aus der Gro\'dffamilie konnte hierdurch \'84die f\'fcr den industriellen Prod uktionsproze\'df zweckrationalisierte Kleinfamilie werden, deren Mitglieder m\'f6glichst vollst\'e4ndig der industriellen Erwerbst\'e4tigkeit verf\'fcgbar sein sollten.\ldblquote }{\super \chftn{\*\footnote \chftn\pard\plain \s4\f1\fs20{\*\cs10{\*\updnprop5801}\up8} {\f2 ebd, Seite 23}}} {\*\cs10{\*\updnprop5801}\up8\fs24\f2 }{\fs24\f2 D\'f6rner f\'fcgt noch hinzu: \'84So entstanden zumindest die Grundz\'fcge des heute noch g\'fcltigen sozialen Vers orgungssystems. Die industriell unbrauchbaren Gruppen der Gesamtbev\'f6lkerung wurden zu einer st\'e4ndigen \'f6ffentlichen und privaten Kostenlast [...]\ldblquote .}{\super \chftn{\*\footnote \chftn\pard\plain \s4\f1\fs20{\*\cs10{\*\updnprop5801}\up8} {\f2 ebd, Seite 22}}} {\*\cs10{\*\updnprop5801}\up8\fs24\f2 } \par \pard\plain \s1\f1\fs20\f2\fs24\sl360\qj Somit war die \'84Soziale Frage\ldblquote gestellt, n\'e4mlich die Frage, was passieren soll mit Menschen, die f\'fcr den Kapitalismus nicht nutzbar sind, wof\'fcr diese Menschen da sind, was mit ihnen passieren und wie mit ihnen umgegangen werden soll. \par \par \par 2.1. Eugenik als Antwort \par \par \pard\plain \s1\f1\fs20\sl360\qj{\fs24\f2 Die Eugenik, also die Verh\'fctung von Erbkrankheiten und die Erbgesundheitsforschung, war von Anfang an ein beliebter L\'f6sungsansatz der Sozialen Frage. Die eugenischen Methoden w\'e4hrend des Dritten Reiches sind uns gut bekannt. Doch die Eugenik ist keine Erfi ndung der Nazis. Der Begriff Eugenik wurde erstmals 1883 von Francis Galton gebraucht, auf den auch die ersten Ausformulierungen eugenischer Ideen zur\'fcckzuf\'fchren sind. In die Eugenik fielen auf der einen Seite Ma\'dfnahmen wie Familienf\'f6rderungsprogramme und Ehegesundheitszeugnisse, auf der anderen Seite Ma\'dfnahmen zur Verhinderung der Fortpflanzung bestimmter Menschen, z.B. durch Sterilisation.}{\super \chftn{\*\footnote \chftn\pard\plain \s4\f1\fs20{\*\cs10{\*\updnprop5801}\up8} {\f2 vgl. Sabine Schleiermacher: Gesellschaft und Biologie: Die L\'f6sung der \'84sozialen Frage\ldblquote . in: Widerspr\'fcche, M\'e4rz 1999, Seite 11}}} {\*\cs10{\*\updnprop5801}\up8\fs24\f2 }{\fs24\f2 } \par \pard\plain \s1\f1\fs20\f2\fs24\sl360\qj 1905 wurde unter der Verantwortung des Arztes Alfred Ploetz die \'84Deutsche Gesellschaft f\'fcr Rassenhygiene\ldblquote gegr\'fcndet. Die Rassenhygiene fand nun auch Einzug in die Medizin und somit war das Ziel der Medizin von nun an nicht mehr allein die konkrete Heilung des einzelnen Menschen. Es wurde sich Menschengruppen als Tr\'e4ger von Erbgut auf zuk\'fcnftige Generationen zugewendet. Damit ergab sich die Notwendigkeit erbbiologischer Forschung. \par \pard\plain \s1\f1\fs20\sl360\qj{\fs24\f2 F\'fcr Ploetz war die \'84T\'fcchtigkeit\ldblquote Indikator f\'fcr den Wert eines Menschen. Unter T\'fcchtigkeit verstand er kulturelle und gesellschaftliche Leistungsf\'e4higkeit.}{\super \chftn{\*\footnote \chftn\pard\plain \s4\f1\fs20{\*\cs10{\*\updnprop5801}\up8} {\f2 vgl. ebd, Seite 13}}} {\*\cs10{\*\updnprop5801}\up8\fs24\f2 } \par \pard\plain \s1\f1\fs20\f2\fs24\sl360\qj In der \'84Deutschen Gesellschaft f\'fcr Rassenhygiene\ldblquote gingen die Eugeniker auch der Frage nach, wieviel der Staat f\'fcr die \'84Unt\'fcchtigen\ldblquote und \'84Minderwertigen\ldblquote ausgeben m\'fcsse, was ihrer Meinung nach dann ja anderen Bev\'f6lkerungsgruppen vorenthalten werden m\'fcsse. I m Zentrum dieser \'dcberlegungen stand die Diskussion um die Kostensenkung f\'fcr die gesellschaftlich \'84Unbrauchbaren\ldblquote . \par Man sieht deutlich, wie wenig sich die \'dcberlegungen zur Eugenik von damals von den den heutigen Diskussionen unterscheiden. Auf den Aspekt der Kostensenkung mit Hilfe eugenischer Ma\'dfnahmen gehe ich sp\'e4ter noch genauer ein. \par Im Namen der Rassenhygiene wurden w\'e4hrend des Nationalsozialismus mehrere hunderttausend Menschen ermordet und zwangssterilisiert. \par \pard\plain \s1\f1\fs20\sl360\qj{\fs24\f2 D\'f6rner stellt folgende These auf: Es ist \'84die entscheidende Absicht der Nazis gewesen, der Welt am Beispiel Deutschlands ein einziges Mal zu beweisen, da\'df eine Gesellschaft, die sich systematisch und absolut jedes sozialen Ballastes entledigt, wirtschaftli ch, milit\'e4risch und wissenschaftlich unschlagbar sei, eine Absicht, die sich auch nur schwer widerlegen l\'e4\'dft, wenn man die Logik [...] der Industrialisierung konsequent zu Ende denkt.\ldblquote }{\super \chftn{\*\footnote \chftn\pard\plain \s4\f1\fs20{\*\cs10{\*\updnprop5801}\up8}{\f2 D\'f6rner: T\'f6dliches Mitleid. Zur Frage der Unertr\'e4glichkeit des Lebens. G\'fctersloh, 1988, Seite 10}}} {\*\cs10{\*\updnprop5801}\up8\fs24\f2 } \par {\fs24\f2 Und Heisterkamp merkt dazu an: \'84In dieser Perspektive wird es unausweichlich, den rassistisch-eugenischen Totalitarismus nicht l\'e4nger als [...] Ausrutscher, sondern als unausweichliche Konsequenz der industriell-naturwissenschaftlichen Fortschrittslogik zu erkennen.\ldblquote }{\super \chftn{\*\footnote \chftn\pard\plain \s4\f1\fs20{\*\cs10{\*\updnprop5801}\up8}{\f2 Jens Heisterkamp: Der biotechnische Mensch. 1994, Seite 25}}} {\*\cs10{\*\updnprop5801}\up8\fs24\f2 } \par \pard\plain \s1\f1\fs20\f2\fs24\sl360\qj Im Dritten Reich ging man also so weit, die L\'f6sung der Sozialen Frage in der Endl\'f6sung zu finden. \par An der \'84Sozialen Frage\ldblquote hat sich bis heute nichts ge\'e4ndert, und heutige L\'f6sungsversuche unterscheiden sich vielleicht gar nicht so stark von denen der Nazis. \par Schauen wir uns einmal die Eugenik nach 1945 an. Abgeschreckt durch die Greueltaten der Euthanasie w\'e4hrend der NS-Zeit war die Eugenik in Deutschland ersteinmal tabuisiert. Die Entdeckung der DNS in den f\'fcnfziger Jahren f\'fchrte jedoch zu einer Wiederaufnahm e eugenischer Strategien. \par \pard\plain \s1\f1\fs20\sl360\qj{\fs24\f2 Heute ist die Eugenik durchaus wieder gesellschaftsf\'e4hig. Sie kommt zwar nicht mit rassistischen Behauptungen und Praktiken daher wie in den drei\'dfiger Jahren, doch ihr Ziel und das Festhalten an der Reinheit und Gesundheit des Erbgutes entstanden bzw. ents tehen aus der gleichen Quelle. Statt \'e4u\'dferer Zwangsma\'dfnahmen setzt man heute eher auf \'84genetische Pr\'e4vention\ldblquote .}{\super \chftn{\*\footnote \chftn\pard\plain \s4\f1\fs20{\*\cs10{\*\updnprop5801}\up8}{\f2 vgl. Jens Heisterkamp: Der biotechnische Mensch. 1994, Seite 29f}}} {\*\cs10{\*\updnprop5801}\up8\fs24\f2 } \par \pard\plain \s1\f1\fs20\f2\fs24\sl360\qj In den siebziger und achtziger Jahren suchte man eher die Antwort auf die \'84Soziale Frage\ldblquote darin, die Diskriminierung aufzubrechen und den an den Rand der Gesellschaft gedr\'e4ngten Gruppen eine Integration zu erm\'f6glichen. Heute wird sich mehr von der Integrat ion aller am gesellschaftlichen Leben abgewendet. Mittlerweile findet man bei der Bev\'f6lkerungspolitik eher eine Reduzierung auf \'84Qualit\'e4tskontrolle\ldblquote und verst\'e4rkt eine Kosten-Nutzen-Rechnung. In der Bioethik wird der Mensch auf seine biologische Dispositio n und Verwertbarkeit reduziert. \par \par 2.2. Kosten Gesundheitswesen \par \par Die \'84Soziale Frage\ldblquote stand von Anfang an in engem Zusammenhang mit dem Wunsch der Kostend\'e4mpfung f\'fcr die wirtschaftlich Unbrauchbaren. Sie gr\'fcndete sich wahrscheinlich sogar in der Kostenfrage. \par \pard\plain \s1\f1\fs20\sl360\qj{\fs24\f2 \'84Schon in der Weimarer Republik, nicht erst im Nationalsozialismus war Wohlfahrt einer Kosten-Nutzen-Kalkulation unterworfen, indem volkswirtschaftliche Kriterien, die sich an den Erfordernissen der Industriegesellschaft orientierten und den Menschen in di ese einpassen wollten, zu Ma\'dfst\'e4ben [...] wurden.\ldblquote }{\super \chftn{\*\footnote \chftn\pard\plain \s4\f1\fs20{\*\cs10{\*\updnprop5801}\up8} {\f2 Sabine Schleiermacher: Gesellschaft und Biologie: Die L\'f6sung der \'84sozialen Frage\ldblquote . in: Widerspr\'fcche, M\'e4rz 1999, Seite 17}}} {\*\cs10{\*\updnprop5801}\up8\fs24\f2 }{\fs24\f2 } \par {\fs24\f2 So hei\'dft es in der Erkl\'e4rung der Fachkonferenz f\'fcr Eugenik von Mai 1931: \'84Erhebliche Aufwendungen sollten nur f\'fcr solche Gruppen F\'fcrsorgebed\'fcrftiger gemacht werden, die voraussichtlich ihre volle Leistungsf\'e4higkeit wieder erlangen k\'f6nnen. [...] Tr\'e4ger erbl icher Anlagen, die Ursache sozialer Minderwertigkeit und F\'fcrsorgebed\'fcrftigkeit sind, sollen tunlichst von der Fortpflanzung ausgeschlossen werden.\ldblquote }{\super \chftn{\*\footnote \chftn\pard\plain \s4\f1\fs20{\*\cs10{\*\updnprop5801}\up8} {\f2 Fachkonferenz f\'fcr Eugenik 18.-20. Mai 1931, Archiv des Diakonischen Werkes; in: Sabine Schleiermacher: Gesellschaft und Biologie: Die L\'f6sung der \'84sozialen Frage\ldblquote . in: Widerspr\'fcche, M\'e4rz 1999, Seite 17}}} {\*\cs10{\*\updnprop5801}\up8\fs24\f2 } \par \pard\plain \s1\f1\fs20\f2\fs24\sl360\qj Ge\'e4ndert hat sich in den \'dcberlegungen von heute nicht viel. In heutigen Diskussionen lassen sich exakt die gleichen Inhalte wiederfinden. Bioethische \'dcberlegungen lassen sich in Rationalisierungsplanungen in Gesundheits-, Sozial- und Rentenpolitik wiederf inden. Im Mittelpunkt dieser Planungen steht die Begrenzung von Medikamenten und Therapien aus Kostengr\'fcnden. In den USA und Gro\'dfbritannien ist dies schon g\'e4ngige Praxis. Es wird berechnet, inwieweit sich eine kostenintensive Investition in einen Menschen lohnt. \par \pard\plain \s1\f1\fs20\sl360\qj{\fs24\f2 Der Jurist Hans-Georg Koch fragt nach den Belastungen, die sich die Gesellschaft in Zukunft noch leisten will: \'84Ein Transplantationspatient spielt seine Ausgaben im Zweifel wieder ein. Der dauerkomat\'f6se Patient verursacht wirklich nicht mehr als Kosten [.. .].\ldblquote }{\super \chftn{\*\footnote \chftn\pard\plain \s4\f1\fs20{\*\cs10{\*\updnprop5801}\up8}{\f2 Ren\'e9e Krebs-R\'fcb: Mit der Bioethik auf dem Weg zum programmierten Menschen. in: Wechselwirkung, Oktober 1997, Seite 60}}} {\*\cs10{\*\updnprop5801}\up8\fs24\f2 } \par \pard\plain \s1\f1\fs20\f2\fs24\sl360\qj Es geht also wirklich gar nicht um den einzelnen Menschen, sondern alleine um die Kosten und das, was man leistet. \par \pard\plain \s1\f1\fs20\sl360\qj{\fs24\f2 \'84Die moderne Eugenik tritt als dem menschlichen Wohlergehen und Fortschritt verpflichtet auf den Plan. [...] Ihr geht es um die Eliminierung krankmachender Gene, aber auch um die Verbesserung des Wohlbefindens, der Leistungsf\'e4higkeit und die F\'f6rderung von F\'e4higkeiten und Anlagen der Menschheit.\ldblquote }{\super \chftn{\*\footnote \chftn\pard\plain \s4\f1\fs20{\*\cs10{\*\updnprop5801}\up8}{\f2 Ren\'e9e Krebs-R\'fcb: Uniform, sorgenfrei und seelenlos. in: Publik-Forum Nr. 16, 29. August 1997}}} {\*\cs10{\*\updnprop5801}\up8\fs24\f2 } \par \pard\plain \s1\f1\fs20\f2\fs24\sl360\qj So wird heute ein gro\'dfes Netz an Pr\'e4ventionsm\'f6glichkeiten und -pflichten aufgebaut, zu der auch die pr\'e4natale Diagnostik geh\'f6rt. Hierbei l\'e4\'dft man die Eltern selbstbestimmt - selbstverantwortlich - entscheiden, ob sie ein behindertes Kind austragen wollen. Was jedoch hier als Appell an die Selbstverantwortung formuliert wird, kann schnell zu einer Pflicht werden. \par \pard\plain \s1\f1\fs20\sl360\qj{\fs24\f2 Pr\'e4vention hei\'dft das Zauberwort, um den finanziellen Aufwand f\'fcr das Gesundheitswesen zu begrenzen. Sierck merkt an, da\'df Pr\'e4vention so weit gehen k\'f6nnte, da\'df irgendwann Krankenkassen f\'fcr vorsorgliche Ma\'dfnahmen zur Gesunderhaltung (Schwangerschaftsvorsorge, Gymnastikkurse, Nikotinverzicht,...) Bonuspunkte vermerken k\'f6nnten, die eine Erm\'e4\'dfigung des Kassenbeitrags erm\'f6glichen. Auf der anderen Seite bedeutet dies aber auch, wer sich diesen Pr\'e4ventionsm\'f6glichkeiten verweigert, handele dann fahrl\'e4ssig. \'84Damit lie \'dfen sich chronische Krankheiten oder die Geburt eines behinderten Kindes als selbstverschuldete Folgen bestimmen, f\'fcr die die Kassen nicht mehr aufkommen m\'fcssen. Gleichzeitig werden bereitstehende Mittel unter dem Diktat der Kostend\'e4mpfung k\'fcnstlich so ver knappt, da\'df Arzt und \'c4rztin in der Behandlung die Patienten nach bestimmten Kriterien -wie Lebensalter und -erwartung, chronische Krankheit, andauernde Behinderung oder Arbeitsf\'e4higkeit - aussortieren m\'fcssen.\ldblquote }{\super \chftn{\*\footnote \chftn\pard\plain \s4\f1\fs20{\*\cs10{\*\updnprop5801}\up8}{\f2 Udo Sierck: Verwertung des Menschen. in: junge Welt Nr. 24, 28 Januar 1995}}} {\*\cs10{\*\updnprop5801}\up8\fs24\f2 }{\fs24\f2 } \par \pard\plain \s1\f1\fs20\f2\fs24\sl360\qj Da\'df alte, behinderte oder chronisch kranke Menschen ein Problem f\'fcr die Gesellschaft darstellen, da\'df diese Menschen immense Kosten verursachen, die dann von der Gemeinschaft getragen werden m\'fcssen, da\'df der Sozialstaat nicht mehr finanzierbar ist, da\'df nunma l gespart werden mu\'df, leuchtet allen ein, wird ohne auch nur im geringsten hinterfragt zu werden, angenommen. Die \'84Verursacher der hohen Kosten\ldblquote geraten somit zunehmend unter Druck. \par \par \par \par \pard\plain \s1\f1\fs20\page\f2\fs24\sl360\qj 3. Zur Bioethik \par \pard\plain \s1\f1\fs20\f2\fs24\sl360\qj \par \pard\plain \s1\f1\fs20\sl360\qj{\fs24\f2 Die Bioethik ist die Theorie zur Rechtfertigung f\'fcr die moderne biotechnische Medizin, f\'fcr Gentechnik, Humangenetik, Fortpflanzungs- und Transplantationsmedizin.}{\super \chftn{\*\footnote \chftn\pard\plain \s4\f1\fs20{\*\cs10{\*\updnprop5801}\up8}{\f2 vgl. Ren\'e9e Krebs-R\'fcb: Uniform, sorgenfrei und seelenlos. in: Publik-Forum Nr. 16, 29. August 1997}}} {\*\cs10{\*\updnprop5801}\up8\fs24\f2 } \par \pard\plain \s1\f1\fs20\f2\fs24\sl360\qj Es gibt zwar durchaus auch deutsche Vertreter und Vertreterinnen der Bioethik, aber die Bioethik wurde vor allem durch die Australier Peter Singer und Helga Kuhse in Deutschland bekannt gemacht. \par Sie fordern die Abl\'f6sung des ihrer Meinung nach \'fcberholten Begriff der Unverletzlichkeit des Lebens durch eine rationale Ethik. Ein zentraler Punkt dieser Ethik liegt in der Diskussion \'fcber den Lebenswert oder -unwert bestimmter Menschen. \par Singer unterscheidet zwischen dem Mensch als Gattungswesen und dem Mensch als Person. Menschen erwerben erst durch bestimmte Kriterien den Status einer Person. F\'fcr ihn gr\'fcndet sich der Lebenswert in bestimmten F\'e4higkeiten, wie beispielsweise \'84Selbstbewu\'dfts ein\ldblquote , \'84Kommunikations-f\'e4higkeit\ldblquote oder dem \'84Sinn f\'fcr die Zukunft\ldblquote . \par Der Mensch an sich besitzt somit noch keine Daseinsberechtigung, diese mu\'df er sich erst verdienen, indem er nachweist, da\'df er bestimmte Leistungen erbringt oder bestimmte Eigenschaften besitzt. Die Unterscheidung zwischen Personen und Nicht-Personen hat in der Bioethik das Ziel, letztere zur Vernichtung freigeben zu k\'f6nnen. Und dar\'fcber wird offen in den Bioethikdebatten und in den B\'fcchern \'84Praktische Ethik\ldblquote (Singer) und \'84Mu\'df dieses Kind am Leben bleiben?\ldblquote (Kuhse/Singer) diskutiert. \par Die Bioethik sieht Krankheit und Behinderung als \'84Normabweichungen\ldblquote an, die es zu beseitigen gilt. \par \pard\plain \s1\f1\fs20\sl360\qj{\f2{\fs24 Singer argumentiert mit einer von ihm aufgestellten Gl\'fccksrechnung. F\'fcr ihn vergr\'f6\'dfert sich die Gesamtsumme des Gl\'fccks, wenn ein behindertes Kind get\'f6tet wird, an seine Stelle jedoch das gl\'fccklichere Leben eines gesunden Kindes tritt. Zur Verdeutlichung we rde ich an dieser Stelle ein St\'fcck aus der \'84Praktischen Ethik\ldblquote zitieren:} \'84Angenommen, eine Frau, die zwei Kinder geplant hat, hat ein normales Kind und bringt ein h\'e4mophiles zur Welt. Die Belastung, die dieses Kind bedeutet, d\'fcrfte den Verzicht auf ein dri ttes Kind unvermeidlich machen; sollte aber das behinderte Kind sterben, so w\'fcrde sie noch ein weiteres Kind bekommen. Es ist plausibel anzunehmen, da\'df die Aussichten auf ein gl\'fcckliches Leben f\'fcr ein normales Kind besser w\'e4ren als f\'fcr ein h\'e4mophiles. Sofe rn der Tod eines behinderten S\'e4uglings zur Geburt eines anderen S\'e4uglings mit besseren Aussichten{\fs24 }auf ein gl\'fcckliches Leben f\'fchrt, dann ist die Gesamtsumme des Gl\'fccks gr\'f6\'dfer, wenn der behinderte S\'e4ugling get\'f6tet wird. Der Verlust eines gl\'fccklichen Lebens [ ...] wird durch den Gewinn eines gl\'fccklicheren Lebens [...] aufgewogen. [usw.]\ldblquote }{\super \chftn{\*\footnote \chftn\pard\plain \s4\f1\fs20{\*\cs10{\*\updnprop5801}\up8} {\f2 Peter Singer: Praktische Ethik, Seite 238}}} {\*\cs10{\*\updnprop5801}\up8\f2 } \par \pard\plain \s1\f1\fs20\f2\fs24\sl360\qj Solche Argumentationen ziehen sich durch das gesammte Buch. \par In der Bioethik geht es um Selektionma\'dfnahmen am Anfang und am Ende des Lebens. Kosten-Nutzen-Rechnungen spielen dabei verst\'e4rkt eine Rolle. \par \pard\plain \s1\f1\fs20\sl360\qj{\fs24\f2 Es geht es zudem nicht nur um die Vermeidung und Beseitigung erblich bedingter Krankheiten, sondern auch um die \'84F\'f6rderung und Verbesserung von F\'e4higkeiten und Anlagen\ldblquote }{\super \chftn{\*\footnote \chftn\pard\plain \s4\f1\fs20{\*\cs10{\*\updnprop5801}\up8}{\f2 Hans-Martin Sass (Hrsg.): Bioethik in den USA. Berlin, 1988, Seite 2 in: Ren\'e9e Krebs-R\'fcb: Mit der Bioethik auf dem Weg zum programmierten Menschen. in: Wechselwirkung, Oktober 1997, Seite 60}}} {\*\cs10{\*\updnprop5801}\up8\fs24\f2 }{\fs24\f2 } \par {\fs24\f2 Krebs-R\'fcb kommt zu dem Schlu\'df: \'84Die Bioethik dient im Rahmen von Kosten-Nutzen-Kalkulationen einer fragw\'fcrdigen Ressourcensteuerung im Gesundheitswesen und liefert die ethische Absicherung f\'fcr expandierende Wirtschaftsinteressen.\ldblquote }{\super \chftn{\*\footnote \chftn\pard\plain \s4\f1\fs20{\*\cs10{\*\updnprop5801}\up8}{\f2 Ren\'e9e Krebs-R\'fcb: Mit der Bioethik auf dem Weg zum programmierten Menschen. in: Wechselwirkung, Oktober 1997, Seite 64}}} {\*\cs10{\*\updnprop5801}\up8\fs24\f2 } \par \pard\plain \s1\f1\fs20\f2\fs24\sl360\qj Es wird geworben mit der Optimierung des K\'f6rpers und die Beherrschung der Genetik als Voraussetzung f\'fcr ein gl\'fcckliches Leben in diesem gesellschaftlichem System. Dieses wird jedoch nicht im geringsten hinterfragt, sondern als unver\'e4nderlich hingenommen. \par \par \par \pard\plain \s1\f1\fs20\page\f2\fs24\sl360\qj 4. Lebenswert = Leistung und Nutzen \par \pard\plain \s1\f1\fs20\f2\fs24\sl360\qj \par Durch die pr\'e4natale Diagnostik k\'f6nnen immer mehr Krankheiten ebenso aber auch kleinere Defekte vorgeburtlich erkannt werden. Und bei fehlender therapeutischer M\'f6glichkeiten wird der Tr\'e4ger dieser Defekte eliminiert. Durch wirtschaftliche Aspekte entsteht u nweigerlich ein Druck bis vielleicht irgendwann ein Zwang zum Schwangerschaftsabbruch. Durch die M\'f6glichkeit, Behinderungen schon vorgeburtlich erfassen zu k\'f6nnen, ist der Weg nicht mehr weit dahin, das Akzeptieren des behinderten Kindes als Verantwortungs losigkeit der Eltern auf Kosten des Sozialstaates anzusehen. \par Durch pr\'e4natale Diagnostik werden Menschen, die den Normen nicht entsprechen, selektiert und zur Vernichtung freigegeben. \par In der kapitalistischen Konkurrenzgesellschaft ist man gezwungen, gewisse F\'e4higkeiten und Eigenschaften \'84mitzubringen\ldblquote , um auf dem Markt bestehen zu k\'f6nnen. \par Der Mensch wird von seinen konkreten Eigenschaften auf die wirtschaftlich verwertbaren reduziert und an seiner Leistung und seinem Erfolg gemessen. \par \pard\plain \s1\f1\fs20\sl360\qj{\fs24\f2 \'84Die Menschheit wird zu einem technisch geplanten und gefertigten Produkt herabgew\'fcrdigt.\ldblquote }{\super \chftn{\*\footnote \chftn\pard\plain \s4\f1\fs20{\*\cs10{\*\updnprop5801}\up8}{\f2 Ren\'e9e Krebs-R\'fcb: Uniform, sorgenfrei und seelenlos. Die Biomedizin tr\'e4umt vom \'84optimierten\ldblquote Menschen - doch nur wer krank sein darf, ist gesund. in: Publik-Forum Nr. 16, 29. August 1997}}} {\*\cs10{\*\updnprop5801}\up8\fs24\f2 } \par \pard\plain \s1\f1\fs20\f2\fs24\sl360\qj Man sucht nach Fehlern in den Erbanlagen, die Schuld am Versagen in diesem wirtschaftlichen System sind, statt dieses System zu \'fcberpr\'fcfen und gegebenfalls zu kritisieren. \par \pard\plain \s1\f1\fs20\sl360\qj{\fs24\f2 Dazu passend ist ebenso die \'84Begabungstheorie\ldblquote , die wieder stark im Kommen ist. Sie l\'e4\'dft sich beispielsweise wiederfinden in \'84Reformierungen\ldblquote der Schul- und Hochschulpolitik.}{\super \chftn{\*\footnote \chftn\pard\plain \s4\f1\fs20{\*\cs10{\*\updnprop5801}\up8} {\f2 vgl. Bernd Klees: Der gl\'e4serne Mensch im Betrieb. 1990, Seite 32}}} {\*\cs10{\*\updnprop5801}\up8\fs24\f2 } \par {\fs24\f2 Klees spricht von einer Renaissance des Soziobiologismus in Deutschland. Die Politik greift seiner Ansicht nach \'84auf die zur Verf\'fcgung gestellten Argumentationsmuster zur\'fcck, um gezielt Sozialabbau zu betreiben und sozialdarwinistische Ans\'e4tze in die Sozia lpolitik und das Sozialrecht hinein zu verl\'e4ngern. Beispiele daf\'fcr sind etwa [...] Massnahmen im Bereich der Bildungspolitik. Wurde [die Bildungspolitik] insbesondere in den sechziger und siebziger Jahren zu Zeiten des Arbeitskr\'e4ftebedarfs unter dem Stichw ort `Chancengleichheit\'b4 ausgebaut, um das latent vorhandene Begabungspotential auch etwa von Arbeiterfamilien nutzen zu k\'f6nnen, so wird im Windschatten der Krise genau umgekehrt verfahren. Nur so kann man etwa die [...] weitgehende Streichung des Sch\'fcler-B af\'f6g [...] verstehen.\ldblquote }{\super \chftn{\*\footnote \chftn\pard\plain \s4\f1\fs20{\*\cs10{\*\updnprop5801}\up8} {\f2 Bernd Klees: Der gl\'e4serne Mensch im Betrieb. 1990, Seite 33}}} {\*\cs10{\*\updnprop5801}\up8\fs24\f2 }{\fs24\f2 } \par {\fs24\f2 Sozialdarwinistische Ans\'e4tze lassen sich auch in immer h\'e4ufiger aufkommenden Diskussionen \'fcber \'84Eliten\ldblquote wiederfinden. Klees merkt dazu an, da\'df wenn man auf der einen Seite \'84Eliten\ldblquote fordert, man notwendigerweise auf der anderen Seite f\'fcr die \'84Anh\'e4ufung von `Schrott` [...], der ausgegrenzt werden mu\'df\ldblquote eintritt.}{\super \chftn{\*\footnote \chftn\pard\plain \s4\f1\fs20{\*\cs10{\*\updnprop5801}\up8} {\f2 ebd, Seite 34}}} {\*\cs10{\*\updnprop5801}\up8\fs24\f2 } \par \pard\plain \s1\f1\fs20\f2\fs24\sl360\qj Durch pr\'e4natale Diagnostik, durch Sparzw\'e4nge im Sozialwesen und durch immer h\'e4ufigere Diskussionen \'fcber diese Themen nimmt die Akzeptanz gegen\'fcber behinderten Leben stetig ab. \par \pard\plain \s1\f1\fs20\sl360\qj{\fs24\f2 So verwundert es auch nicht, da\'df die Geburt eines behinderten Kindes mittlerweile immer h\'e4ufiger als \'84vermeidbarer Haftpflichtschaden\ldblquote angesehen wird. So hei\'dft es unteranderem in einem Urteil des OLG D\'fcsseldorf vom 06.01.1997. In dem Fall machte die Mutter eines Kindes mit Down-Syndrom den Arzt haftbar, mit der Begr\'fcndung, h\'e4tte sie von der Behinderung gewu\'dft, h\'e4tte sie abgetrieben.}{\super \chftn{\*\footnote \chftn\pard\plain \s4\f1\fs20{\*\cs10{\*\updnprop5801}\up8}{\f2 vgl. Wiebke R\'f6gener: Geburt nach Wahl und Kind nach Ma\'df. in: S\'fcddeutsche Zeitung Nr. 182, 10 August 1999}}} {\*\cs10{\*\updnprop5801}\up8\fs24\f2 } \par {\fs24\f2 Der Bundesgerichtshof mu\'dfte sich erstmals 1983 mit einem solchen Fall auseinandersetzen. In diesem Fall hatte ein Arzt eine R\'f6telerkrankung bei der Mutter nicht erkannt. Der Bundesgerichtshof wertete dieses, durch die Erkrankung der Mutter behinderte Kind, als einen zivilrechtlichen Schaden.}{\super \chftn{\*\footnote \chftn\pard\plain \s4\f1\fs20{\*\cs10{\*\updnprop5801}\up8}{\f2 vgl. Theresia Degener: Humangenetische Beratung, pr\'e4natale Diagnose und (bundes)deutsche Rechtsprechung. 1992, Seite 187}}} {\*\cs10{\*\updnprop5801}\up8\fs24\f2 } \par \pard\plain \s1\f1\fs20\f2\fs24\sl360\qj Mit diesen Gerichtsurteilen bejaht die Justiz die Pr\'e4nataldiagnostik. Sie bejaht diese nicht nur, sondern fordert diese sogar. Um sich rechtlich abzusichern, m\'fcssen Arzt und \'c4rztin die M\'f6glichkeiten der pr\'e4natalen Diagnostok aussch\'f6pfen. \par \pard\plain \s1\f1\fs20\sl360\qj{\fs24\f2 Da\'df das Eingreifen in die Erbanlagen und die pr\'e4natale Diagnostik tats\'e4chlich eng mit der Konkurrenzgesellschaft zusammenh\'e4ngt, l\'e4\'dft sich auch wiederfinden in dem Standpunkt von Prof.Dr. Ernst Peter Fischer. Er kritisiert die Pr\'e4natale Diagnostik und die E mbryonenselektion auf fast satirische Weise. Sein Gedanke ist: \'84 [...] Wenn n\'e4mlich alle Eltern danach ihre Embryos ausw\'e4hlen, dann kommen nur noch gleich gro\'dfe Leute zur Welt, die zudem alle gleich intelligent und qualifiziert sind [...]. Damit geht [...] der anvisierte Vorteil verloren. [...] Erfolg l\'e4\'dft sich durch pr\'e4natale Selektion nicht garantieren. Denn woher will man wissen, was in 20, 30 Jahren attraktiv ist und Geld bringt? Selbst wenn jemand den Tennis-Boom richtig geahnt und in seiner Familie f\'fc r das entsprechende Talent gesorgt h\'e4tte, m\'fc\'dfte er damit rechnen, da\'df auch andere auf die Idee gekommen w\'e4ren. Es g\'e4be dann nicht nur einen, sondern viele Aufschlagk\'fcnstler [...].\ldblquote }{\super \chftn{\*\footnote \chftn\pard\plain \s4\f1\fs20{\*\cs10{\*\updnprop5801}\up8}{\f2} {\f2 Ernst Peter Fischer: Die Qual der Wahl. Genetische Tests bescheren mannigfache Informationen. Was aber fangen wir damit an? in: GEO Nr. 11/1996, Seite 180f}}} {\*\cs10{\*\updnprop5801}\up8\fs24\f2 } \par \pard\plain \s1\f1\fs20\f2\fs24\sl360\qj \par \pard\plain \s1\f1\fs20\page\f2\fs24\sl360\qj Schlu\'df \par \pard\plain \s1\f1\fs20\f2\fs24\sl360\qj \par In dieser Arbeit habe ich nachgewiesen, da\'df die pr\'e4natale Diagnostik nicht zugunsten des F\'f6ten unternommen wird. Ebenso kann der Grund f\'fcr Pr\'e4nataldiagnostik nicht in der Hilfe f\'fcr die Eltern liegen. \par Vielmehr handelt es sich hierbei um die Selektion von f\'fcr die kapiptalistische Wirtschaftsweise unbrauchbaren Leben. Der Mensch wird auf die wirtshaftlich verwertbaren Eigenschaften reduziert und somit herabgew\'fcrdigt zu einem geplanten Produkt. \par Die Diskussion um pr\'e4natale Diagnostik orientiert sich an diesem Mittel (der pr\'e4natalen Diagnostik) und abstrahiert dabei weitgehend vom Grund, der pr\'e4natalen Selektion. Damit wird die Argumentation auf die moralische, theologische und ethische Ebene versc hoben, auf der sich dann die verschiedenen Meinungen austoben, jedoch den eigentlichen Kern der Sache v\'f6llig au\'dfenvorlassen. Eine L\'f6sung des \'84Probems\ldblquote kann im Mittel logischerweise nicht gefunden werden. \par Das Mittel, die pr\'e4natale Diagnose kann durchaus sinnvoll sein, braucht somit auch nicht verteufelt zu werden. \par Zu kritisieren ist alleine der Grund, weshalb sie unternommen wird. \par \par \pard\plain \s1\f1\fs20\page\f2\fs28\b Literatur \par \pard\plain \s1\f1\fs20\f2 \par \pard\plain \s1\f1\fs20\f2\fs18 \par \pard\plain {\listtext\pard\plain \li283\ri0\fi-283\f2\fs20 \'b7}\ilvl0 \s1\f1\fs20\li283\ri0\fi-283\f2\fs20\ls0 Katharina Zwicker: Wer darf leben? Pr\'e4natale Diagnostik auf dem Pr\'fcfstand; erstmals ver\'f6ffentlicht im Polykum 8-97/98 \par \pard\plain {\listtext\pard\plain \li283\ri0\fi-283\f2\fs20 \'b7}\ilvl0 \s1\f1\fs20\li283\ri0\fi-283\f2\fs20\ls0 Meike W\'f6hlert: Der Embryo-T\'dcV; ver\'f6ffentlicht in Zitty, 1997 \par \pard\plain {\listtext\pard\plain \li283\ri0\fi-283\f2\fs20 \'b7}\ilvl0 \s1\f1\fs20\li283\ri0\fi-283\f2\fs20\ls0 Udo Wilken \'a7 218 -Pr\'e4natale Diagnostik und Sozialethik. in: Bartsch/ Meyer (Hrsg.): Chance: Gesundheit. Wieviel Gesundheit braucht die Gesellschaft? Hildesheim, 1995 \par \pard\plain {\listtext\pard\plain \li283\ri0\fi-283\f2\fs20 \'b7}\ilvl0 \s1\f1\fs20\li283\ri0\fi-283\f2\fs20\ls0 Swantje K\'f6bsell: Mogelpackung - die `Bioethik-Konvention` des Europarates und ihre Bedeutung f\'fcr Menschen mit Behinderungen; ver\'f6ffentlicht in: BEHINDERTENP\'c4DAGOGIK, 38. Jg., Heft 1/1999 \par \pard\plain {\listtext\pard\plain \li283\ri0\fi-283\f2\fs20 \'b7}\ilvl0 \s1\f1\fs20\li283\ri0\fi-283\f2\fs20\ls0 Ulrich Eibach: Experimentierfeld: Werdendes Leben. Eine ethische Orientierung. G\'f6ttingen, 1983 \par \pard\plain {\listtext\pard\plain \li283\ri0\fi-283\f2\fs20 \'b7}\ilvl0 \s1\f1\fs20\li283\ri0\fi-283\f2\fs20\ls0 Nieders\'e4chsisches Frauenministerium: Ratgeber: Schwangerschaftsabbruch - was Sie wissen m\'fcssen! Hannover, \'fcberarbeitete Auflage Dezember 1997 \par \pard\plain {\listtext\pard\plain \li283\ri0\fi-283\f2\fs20 \'b7}\ilvl0 \s1\f1\fs20\li283\ri0\fi-283\f2\fs20\ls0 Peter Singer: Praktische Ethik. Neuausgabe; Stuttgart, 2., revidierte und erweiterte Auflage 1994 \par \pard\plain {\listtext\pard\plain \li283\ri0\fi-283\f2\fs20 \'b7}\ilvl0 \s1\f1\fs20\li283\ri0\fi-283\f2\fs20\ls0 Steven Dickman: Embryonen-Selektion. Menschen nach Ma\'df?, in: GEO Nr. 11/1996 \par \pard\plain {\listtext\pard\plain \li283\ri0\fi-283\f2\fs20 \'b7}\ilvl0 \s1\f1\fs20\li283\ri0\fi-283\f2\fs20\ls0 Keyvan Dahesch: B\'fcrgerrechte statt Almosen. Allen Sonntagsreden zum Trotz: Behinderte Menschen werden in Deutschland gesellschaftlich ausgegrenzt; in: DIE ZEIT Nr. 32, 5. August 1999 \par \pard\plain {\listtext\pard\plain \li283\ri0\fi-283\f2\fs20 \'b7}\ilvl0 \s1\f1\fs20\li283\ri0\fi-283\f2\fs20\ls0 Oliver Tolmein: Wann ist der Mensch ein Mensch? Ethik auf Abwegen; M\'fcnchen, Wien 1993 \par \pard\plain {\listtext\pard\plain \li283\ri0\fi-283\f2\fs20 \'b7}\ilvl0 \s1\f1\fs20\li283\ri0\fi-283\f2\fs20\ls0 Klaus D\'f6rner: T\'f6dliches Mitleid. Zur Frage der Unertr\'e4glichkeit des Lebens. oder: Die Soziale Frage: Entstehung, Medizinisierung, NS-Endl\'f6sung, heute, morgen; G\'fctersloh, 1988 \par \pard\plain {\listtext\pard\plain \li283\ri0\fi-283\f2\fs20 \'b7}\ilvl0 \s1\f1\fs20\li283\ri0\fi-283\f2\fs20\ls0 Sabine Schleiermacher: Gesellschaft und Biologie: Die L\'f6sung der `sozialen Frage`; in: Widerspr\'fcche. Zeitschrift f\'fcr sozialistische Politik im Bildungs-, Gesundheits- und Sozialbereich, Heft 71, M\'e4rz 1999 \par \pard\plain {\listtext\pard\plain \li283\ri0\fi-283\f2\fs20 \'b7}\ilvl0 \s1\f1\fs20\li283\ri0\fi-283\f2\fs20\ls0 Jens Heisterkamp: Der biotechnische Mensch; 1994 \par \pard\plain {\listtext\pard\plain \li283\ri0\fi-283\f2\fs20 \'b7}\ilvl0 \s1\f1\fs20\li283\ri0\fi-283\f2\fs20\ls0 Ren\'e9e Krebs-R\'fcb: Mit der Bioethik auf dem Weg zum programmierten Menschen; in: WECHSELWIRKUNG, Oktober 1997 \par \pard\plain {\listtext\pard\plain \li283\ri0\fi-283\f2\fs20 \'b7}\ilvl0 \s1\f1\fs20\li283\ri0\fi-283\f2\fs20\ls0 Ren\'e9e Krebs-R\'fcb: Uniform, sorgenfrei und seelenlos. Die Biomedizin tr\'e4umt vom \'84optimierten\ldblquote Menschen - doch nur wer krank sein darf, ist gesund; in: Publik-Forum Nr.16, 29. August 1997 \par \pard\plain {\listtext\pard\plain \li283\ri0\fi-283\f2\fs20 \'b7}\ilvl0 \s1\f1\fs20\li283\ri0\fi-283\f2\fs20\ls0 Udo Sierck: Verwertung des Menschen. Bioethik-Konvention vor der Abschiebung. Manipulation von Reagenzglas-Embryonen erlaubt. in: junge Welt Nr. 24, 28 Januar 1995 \par \pard\plain {\listtext\pard\plain \li283\ri0\fi-283\f2\fs20 \'b7}\ilvl0 \s1\f1\fs20\li283\ri0\fi-283\f2\fs20\ls0 Bernd Klees: Der gl\'e4serne Mensch im Betrieb. 1990 \par \pard\plain {\listtext\pard\plain \li283\ri0\fi-283\f2\fs20 \'b7}\ilvl0 \s1\f1\fs20\li283\ri0\fi-283\f2\fs20\ls0 Wiebke R\'f6gener: Geburt nach Wahl und Kind nach Ma\'df. Immer h\'e4ufiger klagen Eltern gegen \'c4rzte, wenn der Nachwuchs nicht den gew\'fcnschten Anforderungen entspricht; in: S\'fcddeutsche Zeitung Nr. 182, 10. August 1999 \par \pard\plain {\listtext\pard\plain \li283\ri0\fi-283\f2\fs20 \'b7}\ilvl0 \s1\f1\fs20\li283\ri0\fi-283\f2\fs20\ls0 Christian M\'fcrner, Udo Sierck: Designerkinder. Wunschkinder sterben im Augenblick der Diagnose; in: Sozialmagazin, Heft 7-8, Juli/August 1999 \par \pard\plain {\listtext\pard\plain \li283\ri0\fi-283\f2\fs20 \'b7}\ilvl0 \s1\f1\fs20\li283\ri0\fi-283\f2\fs20\ls0 Theresia Degener: Humangenetische Beratung, pr\'e4natale Diagnostik und (bundes)deutsche Rechtssprechung. in: Anne-Dore Stein: Lebensqualit\'e4t statt Qualit\'e4tskontrolle menschlichen Lebens; 1992 \par \pard\plain {\listtext\pard\plain \li283\ri0\fi-283\f2\fs20 \'b7}\ilvl0 \s1\f1\fs20\li283\ri0\fi-283\f2\fs20\ls0 Ernst Peter Fischer: Die Qual der Wahl. Genetische Tests bescheren mannigfache Informationen. Was aber fangen wir damit an? in: GEO Nr. 11/1996 \par \pard\plain \s1\f1\fs20\f2\fs20 \par \pard\plain \s1\f1\fs20\f2\fs20\sl360\qj \par \par \par }