1.1. Pränataldiagnostik - zugunsten des Föten?
Die Pränatale Diagnose bezeichnet also Methoden zur Entdeckung von Schädigungen des Föten. Hierbei wird jedoch nicht allein nach therapierbaren Krankheiten gesucht, sondern verstärkt nach unheilbaren Mißbildungen und Gendefekten. In diesen Fällen ergibt sich als einzige medizinische Lösung des 'Problems' die Abtreibung, also die Tötung des geschädigten Föten. "So ist das einzige Angebot, das bei Feststellung einer vorgeburtlichen Schädigung gemacht werden kann, der `therapeutische Abort`, den die Mehrheit der Schwangeren nach festgestellter `Abweichung` des Ungeborenen durchführen läßt."(1)
Die Pränatale Diagnostik ist somit eine besondere Form der Präventivmedizin und kann insbesondere für den Föten, der getötet wird, nicht als Therapie angesehen werden. "Krankheiten werden in der pränatalen Diagnostik [...] nicht in erster Linie aufgesucht, um sie zu therapieren, sondern um den Träger dieser Krankheiten [...] zu vernichten."(2)
Also kann es in der Pränataldiagnostik gar nicht darum gehen, dem werdenden Leben zu helfen. Und es geht auch tatsächlich nicht um das Leben, welches das Kind einmal führen wird oder würde. Denn bei dem Schwangerschaftsabbruch mit medizinischer Indikation kann nicht die zu erwartende Schädigung des Kindes selbst, sondern nur eine für die Mutter unzumutbare körperliche oder seelische Beeinträchtigung zu einer Indikationsstellung führen.(3)
Ganz kraß drückt Peter Singer es in dem Buch Praktische Ethik aus, daß es sich bei dem vieldiskutierten und umstrittenen Lebenswert wirklich nicht um den möglicherweise später einmal subjektiv empfundenen des werdenden Menschen handeln kann. So schreibt Singer über Pränataldiagnostik mit nachfolgendem Schwangerschaftsabbruch: "Es bleibt allerdings festzuhalten, daß weder Hämophilie noch Down-Syndrom das Leben so beeinträchtigen, daß es sich aus der Innenperspektive der Person, die es führt, nicht mehr zu leben lohnte."(4) Dennoch ist zumindest das Down-Syndrom ein prädestinierter Fall für die Abtreibung nach pränataler Diagnose.
Und die Genetiker und Embryologen forschen und entwickeln unablässig weiter, um immer mehr Erbleiden und Gendefekte diagnostizieren zu können. Wissenschaftsenthusiasten erhoffen sich, bald alle erdenklichen Erbmerkmale mit der Gen-Diagnostik identifizieren zu können.(5)
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Inhalt
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1 Swantje Köbsell: Mogelpakung - die 'Bioethik-Konvention' des Europarates und ihre Bedeutung für Menschen mit Behinderung. in: BEHINDERTENPADAGOGIK, Heft 1/1999, Seite 92
2 Ulrich Eibach: Experimentierfeld: Werdenes Leben. Eine ethische Orientierung. Göttingen, 1983, Seite 94
3 vgl. Niedersächsisches Frauenministerium: Ratgeber: Schwangerschaftsabbruch - was Sie wissen müssen! Hannover, Dezember 1997, Seite 6
4 Peter Singer: Praktische Ethik. Neuausgabe. Stutgart, 1994, Seite 240
5 vgl. Steven Dickman: Embryonen-Selektion. Menschen nach Maß? in: Geo, Nr. 11/1996, Seite 52
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